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Trauerhilfe Live-Chat

Kai Sender
Sozialarbeiter
Bremen
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Nachrufe

Es wurden 1090 Nachrufe gefunden

16.05.2021

Nachruf auf Heiner Gimmler (* am 4. Februar 1940)
Es war beschlossen, Heiner würde seine Eltern, seine zwei Schwestern, sein Heimatstädtchen verlassen und nach Marburg gehen. Die Germanistik zog ihn, was sicher auch mit seiner Deutschlehrerin zu tun hatte. Sie war noch jung und sehr attraktiv. Noch attraktiver war ihr Unterricht: Weg mit den vermoderten Methoden, sie schickte die Schüler ins Theater und ins Kino, betrieb mit ihnen Filmanalyse und Szenenkritik. Zu lesen gab sie ihnen Jean-Paul Sartre und Max Frisch. Heiner las und las und hörte zeitlebens...

09.05.2021

Nachruf auf Walter Kaufmann (* am 19. Januar 1924)
Auf dieser Seite schreiben wir über Berliner, die in jüngster Zeit verstorben sind. Die Texte der vergangenen Wochen finden Sie unter tagesspiegel.de/nachrufe.

02.05.2021

Nachruf auf Bernd Kopplow (* am 1. Oktober 1947)
Ob er wohl Feinde habe, sinnierte Bernd Kopplow kurz vor seinem Tod. Es fiel ihm niemand ein, der so richtig gram mit ihm gewesen sein könnte. Obwohl, ganz ohne Missgunst kommt man nicht durchs Leben, zumal wenn man erfolgreich ist. Da war er sich mit Heidi, seiner Frau, einig. Aber so wie es Leute gibt, die den Streit suchen, gibt es Leute, die ihn einfach ausblenden, die auch der größte Streit kaum berührt. Bernd suchte Verständigung. Er ging Konflikten nicht aus dem Weg, aber er schürte sie nie.

02.05.2021

Nachruf auf Alfred Christmann (* am 31. Januar 1944)
Im November 2003 gibt Klaus Wowereit der Zeitschrift „Focus Money“ ein Interview und sagt den Satz: „Berlin ist arm, aber sexy.“ Im Jahr darauf streicht der Senat die finanzielle Unterstützung für die „Berliner Symphoniker“. Das Orchester muss Insolvenz anmelden, spielt jedoch noch ein Abschiedskonzert im Konzerthaus am Gendarmenmarkt. Bevor es losgeht, tritt Alfred Christmann, Vorsitzender des Trägervereins „Berolina-Orchester e.V.“, auf die Bühne und verkündet: „Wann die Berliner Symphoniker aufhören,...

25.04.2021

Nachruf auf Eberhard Baschien (* am 1. Mai 1961)
Eine dicke schwarze Spinne lebte an der Decke seines Musikzimmers. Ab und an seilte sie sich herab, bis sie genau über dem E-Piano von Eberhard schwebte, regungslos, als ob sie ihm zusehen wollte, wie er auf die weißen und schwarzen Tasten drückte, die Kopfhörer über die Ohren geklemmt. Was er spielte, war nicht zu hören, weder für die Spinne noch für Eberhards Mitbewohner. Es war nur dieses stundenlange Klappern, mal langsam, dann wieder schnell, auch mitten in der Nacht. Klar durfte die Spinne...

25.04.2021

Nachruf auf Hans Wendt (* am 14. Februar 1941)
Sein Vater war ein harter Mann. Seine Mutter kaum weicher. Der Vater hatte in zwei Weltkriegen gedient, preußisch unbeirrt, zuletzt als Oberstabsarzt an der Ostfront, aber über die Gräuel dort sprach er nie. Lautstark hingegen schimpfte er über die jugendlichen Revoluzzer, in der Sorge, sein Sohn könnte sich ihnen anschließen. „Wir haben alles aufgebaut nach dem Krieg“, erinnerte er seinen Sohn stolz. „Ihr habt ja auch vorher alles kaputt gemacht“, gab der trotzig zurück.

18.04.2021

Nachruf auf Fritz Esenwein (* am 18. November 1941)
Fritz Esenwein war nicht schön mit seiner mageren Gestalt, gekrümmt und klein von Wuchs. Ein verwilderter Adolf von Menzel, ein abgerissener Friedrich II., die er beide sehr verehrte. Sein hoher, runder Schädel mit den grauen, fusseligen Strähnen zu beiden Seiten; der graue, fusselige Bart entlang der Wangen; Tränensäcke; zwei tiefe Furchen, die verdrossen von der Nase zu den Mundwinkeln verliefen. Sein Können aber, seine Kunstfertigkeit waren erstklassig. Er schrieb, gleich Friedrich II., er malte,...

18.04.2021

Nachruf auf Matthias Hopke (* am 22. Juni 1957)
In der letzten Woche seines Lebens hat er die Matchboxsammlung aus seinen Kindertagen noch katalogisiert, Modell, Baujahr, Zustand des Autos, Zustand des Kartons. Selbstverständlich hatte er die Kartons aufgehoben; er wusste schon früh, dass es gilt, die Dinge im Zaum zu halten, damit sie einem nicht entgleiten.

11.04.2021

Nachruf auf Ursula Müller (* am 15. März 1921)
„Kinder! macht Neues! Neues! Und abermals Neues!“, schrieb Richard Wagner 1852 an Franz Liszt. Neues soll her, das gilt zu jeder Zeit, das galt entschieden in Deutschland ab Mai 1945, das würde für sie, für Ursula selbst gelten, das wusste sie mit aller Bestimmtheit. Sie setzte sich ans Klavier und spielte Bartók, Schönberg, Poulenc, spielte, was den Nazis verhasst gewesen war, wollte deren Wagner, deren Heimatkitsch, deren Märsche nicht mehr. Befreite sich von der Ideologie, die ihr und ihren Altersgenossen...

11.04.2021

Nachruf auf Moyra Wollenberg (* am 16. Februar 1986)
Plötzlich platzt es aus ihren Freunden heraus: „Ich war in Moyra verliebt.“ - „Ich auch.“ - „Mensch, ich doch auch.“ - „Und ich erst, monatelang!“ Die Freunde schauen sich an, kurz ist es still, dann lachen sie. Es ist ein Samstag im Dezember. Sie stehen vor der Palliativ-Station des Krankenhauses, trinken Tee und Kaffee, rauchen Zigaretten, eine spielt Gitarre, einer singt, manche weinen still. Einer nach dem anderen geht ins Haus, die Treppe hinab, durch die Kapelle in einen kleinen Raum. Dort...