Nachrufe

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29.11.2020

Nachruf auf Karlheinz Drechsel (* am 14.11.1930)
Die Musik ist von zweideutigem Wesen. Zu nichts verpflichtet, folgt man ihr träumend. Sie beruhigt, betäubt, schläfert ein, schmälert jeden Drang zur Aktivität. Und im selben Maß kann sie das Gegenteil bewirken. Sie reißt vorwärts, entflammt die Gefühle, forciert den Geist, regt an zur Tat. Sie schafft Bewegung. Sie schafft Stillstand.

29.11.2020

Nachruf auf Wayne Grajeda (* am 8. Dezember 1945)
Die US-Army schickte die Söhne des Landes nach Vietnam. Auch Wayne sollte im Dschungel kämpfen. Wayne mit dem langen Zopf und dem Bart, der gerade seine ersten Songs schrieb und in einer Band Gitarre spielte. In diese Richtung sollte sein Leben gehen, das spürte er. Nicht in den Krieg. Irgendwie gelang es Wayne, in eine Spezial-Kompanie zu kommen, die definitiv nicht übers Meer geschickt werden würde. Genaueres wissen die Freunde nicht, die über sein Leben berichten.

22.11.2020

Nachruf auf Christa Fischer (* am 31. Mai 1925)
Im letzten Kriegsjahr wurde sie als Flakhelferin eingesetzt, zum Schutz des Kohletagebaus in der Nähe von Leipzig. Von dort konnte sie das Flammenmeer sehen, in dem Dresden unterging: „Welch ein Verderben, ob Mutter und Schwester wohl überleben werden? / Das Elternhaus war nicht ganz zerstört / meine Gebete wurden erhört.“ Die Verse schrieb sie erst im Alter nieder, als sie versuchte, die Widersprüchlichkeiten des Lebens in Reimen zu fassen.

22.11.2020

Nachruf auf Biouk Roshani (* am 13. Juli 1930)
Als seine Tochter ihn fragte, ob er, könnte er noch mal von vorn beginnen, sich wieder für ein Leben anderswo entschiede, für ein Leben hier in Deutschland und nicht im Iran, wo er geboren, wo er aufgewachsen war, als seine Tochter ihn das fragte, antwortete er sofort, ohne jedes Zögern: Nein! Er würde in seiner ersten Heimat bleiben.

15.11.2020

Nachruf auf Gabriele Thieme-Duske (* am 28. März 1942)
Sie musste nicht schreien. Sie brauchte auch kein Mikrofon. Gabi hatte einfach eine laute Stimme, sie war gut zu hören beim Frühschoppen-Stammtisch in der Kneipe. Oder unter den 100 Menschen bei der Gewerkschaftsversammlung. Oder später dann unter den Volksvertretern im Berliner Abgeordnetenhaus. An ihrer Stimme erkannte man sie sofort, etwas tiefer als gewöhnlich, etwas lauter als normal. Ihre Themen: soziale Gerechtigkeit, Bildungschancen, eine fahrradfreundliche Verkehrspolitik.

15.11.2020

Nachruf auf Rainer Gräbert (* am 20. Januar 1960)
DER HIMMEL ÜBER BERLIN-WEDDING...

08.11.2020

Nachruf auf Andreas Wrase (* am 18. November 1962)
Andreas war für die Flecken zuständig. Je hartnäckiger, umso schöner. Für jeden Prüfling schnitt er einen langen Stoffstreifen zurecht und präparierte ihn mit zehn verschiedenen Flecken. Blut zum Beispiel, da nahm er sein eigenes. Seine Frau hatte es von seinem Arm abgezapft. Kaffee war auch gut - oder Lippenstift. Wein war ihm fast schon zu einfach. Kugelschreibertinte der Klassiker. Nagellack auch.

08.11.2020

Nachruf auf Alfred Aulich (* am 16. März 1931)
Heute soll er erscheinen, pünktlich um 14 Uhr. Begleitet von den Mahnrufen der Erzieherin, nicht ständig aus der Ordnung ihrer Zweierformationen auszubrechen, streben die Vierjährigen durch den Berliner Dezembermatsch in Richtung des langgestreckten Areals zwischen Jannowitzbrücke und Alexanderplatz, wo die Fahrgeschäfte und Buden des großen Ost-Berliner Weihnachtsmarktes aufgebaut sind. Die Kinder zeigen nach oben zu den Gondeln des Riesenrades, sie hören das Kreischen aus einem in die Tiefe stürzenden...

25.10.2020

Nachruf auf Thomas Seelig (* am 5. März 1959)
Er hatte ein Nahtoderlebnis, als er schon unheilbar krank war, die Ärzte im Krankenhaus konnten ihn reanimieren. Einige Freunde waren neugierig. Wie war es, wurde er gefragt. „Da ist nix“, antwortete er beiläufig, denn das hatte er immer schon geahnt, so hatte er immer schon gelebt. Und auch als die Amyotrophe Lateralsklerose, bekannt als ALS, einen viel schnelleren Verlauf nahm als erhofft, gab er nicht auf, bis zur letzten Minute nicht, denn das wusste er, Jünger des Metronoms, der er war, jeder...

25.10.2020

Nachruf auf Hans Simon (* am 25. September 1935)
Vier Jahre vor dem Ende der DDR suchte eine Gruppe junger Männer mit unordentlichen Frisuren und unordentlichen Gedanken nach einem Ort für ihre ordnungsgefährdenden Aktivitäten. Kirchenräume sollten es sein, denn die Kirche bot einen gewissen Schutz vor der Staatsmacht. Die Erfahrung besagte jedoch, dass sich auch die Kirche nicht allzu gern mit der Staatsmacht anlegte. Dann muss man sie halt dazu zwingen, ganz demokratisch, dachten sich die jungen Leute und fassten den Plan, einen Gemeindekirchenrat...