Trauerhilfe Live-Chat

Kai Sender
Sozialarbeiter
Bremen
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Es wurden 1104 Nachrufe gefunden

23.12.2018

Die Mutter kam zu spät. Der Sohn war schon fort. Ausgerückt mit den anderen Jungen, die im April 1945 eingezogen worden waren, als würden ein paar Kinder in Uniform noch irgendeinen Unterschied machen. Der Fußball, den die Mutter ins Ausbildungslager Gardelegen getragen hatte, er wurde nicht mehr gebraucht. Um aufs Feld zu gehen, blieb den Kindern keine Zeit. Sie mussten ins Feld. Heinz Boocks Pech war, dass er so schmächtig war. Deshalb, so erfuhr die Mutter, hatte der 15-Jährige den Auftrag bekommen,...

16.12.2018

Kein Fall war ihm zu klein, zu unwichtig oder zu schlecht bezahlt. Eine ungerechtfertigte Mieterhöhung um fünf Euro - Wilhelm Lodde erhob Einspruch. Die Kündigung der Mietwohnung unter windigen Vorwänden - Wilhelm Lodde zog vor Gericht. Einen schwulen Polizisten, der mitanhören musste, wie ein Polizeidozent verletzende Sprüche riss, vertrat er mit einem Strafantrag wegen Volksverhetzung durch die Instanzen. Wilhelm Lodde war Rechtsanwalt für die kleinen Leute, die sich ohne einen wie ihn kaum wehren...

16.12.2018

Drucker haben eine schwarze Seele. Sie sprechen eine Sprache, die andere nicht verstehen, fangen „Zwiebelfische“, schlagen sich mit „Hurenkindern“ und „Schusterjungen“ herum, bei denen es sich letztlich doch nur um verlorene Absatzzeilen handelt. Friedhelm, der sich nur Fridolin rufen ließ, wusste von klein auf, dass er zu diesem Geheimbund der „schwarzen Männer“ gehören wollte, denn sie waren die eigentlichen Herren des Worts im Zeitalter des Papiers.

16.12.2018

Da war nichts, kein erhöhter Blutdruck, keine Herzschwäche, keine andere Krankheit. Das Knie, gut, das war nicht mehr ganz intakt, sie bekam Akupunktur. Ihre seidige Haut jedoch, ihr immer noch dunkles Haar, der Schwung, die geistige Frische, alles wie gehabt. Sie sollte 93 sein? Schwer vorstellbar, ihrem Geburtsdatum nach aber war sie's. Dann, an diesem Oktoberabend ein Unwohlsein im Magen. Sie rief sicherheitshalber den Arzt. „Ins Krankenhaus?“, sagte der, „die schicken Sie sofort zurück nach Hause.“...

09.12.2018

Roller, wie ihn alle nannten, ließ sich von einem Freund nach Bremen chauffieren, eilig, denn es ging um den Ankauf eines Stahlrohrstuhls von Mies van der Rohe. Auf dem Rückweg legten sie einen Halt ein, übernachteten in einem Doppelzimmer, aber Rollers Hand war immer am Stuhl. Es war ein seltenes Einzelstück, und seine Liebe zum Bauhaus war größer als alle anderen Lieben, die zu Siegfried vielleicht ausgenommen.

09.12.2018

Nicht, dass er besonders gut bei Stimme war. Es galt nur, seinen Freund, den damals etwas schwermütigen Sänger, aufzumuntern. Zuerst hatte er der Frau des Sängers 100 Euro in die Hand gedrückt. Sie solle damit ordentlich Fleisch einkaufen; ein gutes Essen bringe ihren Mann schon wieder zu sich. Die Frau bezweifelte, dass Fleisch helfen würde. Er überlegte weiter; da musste doch was zu machen sein. Es ist immer was zu machen! Ein Ermutigungslied zu dritt, der Sänger, des Sängers Frau und er. Und wenn...

02.12.2018

„Musste eben allet machen, wennde Widerständler bist“

Nachruf auf Eugen Herman-Friede (Geb. 1926)
Ahnt er überhaupt, dass er ein Jude ist? Auf jeden Fall will er ein braunes Hemd, eines, wie es die Jungen von der HJ tragen. Seine Schulklasse unternimmt einen Ausflug, und wer ein braunes Hemd trägt, hatte die Lehrerin verkündet, darf in der ersten Reihe marschieren und den Wimpel tragen. Die Mutter des Jungen sagt Nein, der Vater versucht einzulenken: „Der Junge möchte doch nur dazugehören.“ Also gut. Die Mutter nimmt ein weißes Hemd und färbt es braun. Dabei bildet sich im Braun ein gelbes Muster;...

02.12.2018

„Komm bloß nicht nach Berlin. Du gehst hier unter!“

Nachruf auf Dietmar Trzaska (Geb. 1957)
Seine Mutter steht mit Rollator vor der Kapelle und blickt auf die Kreuzberger Trauergruppe, die auch schon in die Jahre gekommen ist. Vor sechs Jahren ist sie nach Potsdam gezogen, um ihren beiden Jungs in Berlin näher zu sein. Und dann das: Hartmut, den alle „Senior“ nannten, kam in eine Pflegeeinrichtung für Demenzkranke bei Hannover; und „Junior“, also Dietmar, ist nun überhaupt nicht mehr erreichbar. Starr steht die Sonne, als halte jemand die Erdachse an. Die Mutter wirkt sehr stark, allein...

18.11.2018

Fürs Rebellische, Renitente war er zu haben - schon immer

Nachruf auf Reinhard Dickel (Geb. 1951)
Ein Bohemien. Aber keiner, der von Kaffeehaustisch zu Kneipentresen schlendert und dabei nur schwatzt über all die Ideen, die in seinem Künstlerkopf stecken, und keine von ihnen umsetzt. Reinhard Dickel hatte weder etwas gegen Kaffee und schon gar nichts gegen die Kneipe. Doch er schuf, ununterbrochen. Malte, rauchte, malte, trank, malte, aß auch hin und wieder etwas. Trug die Farbe mit dem Pinsel auf, mit Spachtel, Rakel, Löffel, mit seinen Händen, auf Leinwände, zwei mal drei Meter groß, expressiv...

18.11.2018

Sprich, Erinnerung, sprich“, flehen die Dichter zu allen Zeiten, weil sie mit Worten jene Bilder aus dem Dunkel des Vergessens hervorrufen wollen, jene Düfte und Klänge, die uns die Tage der Kindheit wiederbringen. Das Geräusch der reifen Maulbeeren, die auf Stoff regnen, aufgespannt bei der Ernte, wenn mit Stangen in die Bäume geschlagen wird. Der Geschmack der Maulbeeren, süß, saftig, und das Rufen der Brüder, die nach ihm suchten, weil er auf sie achten musste, vier jüngere Brüder, während er...