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Kai Sender
Sozialarbeiter
Bremen
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Nachrufe

Es wurden 1104 Nachrufe gefunden

07.10.2018

Sie wollten doch nur rudern, die Skulls über das Wasser gleiten lassen, den Morgennebel bestaunen, den Vögeln hinterherschauen, dann den Fluss hoch, durch die Schleuse und irgendwo auf einem schönen Flecken Wiese landen, gemeinsam die Zelte aufbauen, eine Flasche Wein öffnen, lachen, was man eben so macht, wenn sich Ruderer treffen, die einen aus Ost-Berlin, die anderen aus Kiel, München oder Zürich.

07.10.2018

Manchmal kommt das Glück erst mit dem zweiten Anlauf. Oder mit dem dritten. Und geschenkt kriegt man gar nichts. Sein Start ins Leben missglückte: 1933 geboren, da war schon die Geschichte nicht auf seiner Seite. Während Deutschland sich auf den Weg ins Verderben macht, verbringt Karl-Heinz sein erstes Jahr im Kinderheim: Die Mutter ist 17, als sie ihn gebiert. Mit dem Vater ist sie nicht verheiratet. Ein Foto, aufgenommen in dem Heim bei Görlitz, zeigt ihn im Arm einer Schwester. Er wird es bis...

30.09.2018

Die Einführung der D-Mark und die Rosinenbomber machten das Geburtsjahr von Florentine ebenso besonders wie der kleine Teddybär, den der Vater für die Tochter gegen Tabak eintauschte. Das blonde Mädchen war lange die Kleinste, aber ungewöhnlich begabt. In der Schule umschwärmten sie die anderen Kinder, weil sie viel wusste und Bärengeschichten erfand, die allen gefielen. Die Braunschweiger Schulzeit war unbeschwert und das spätere Studium der Kunstgeschichte auch.

30.09.2018

Alles anders machen, besser! Bäume ausreißen! Und dann?

Nachruf auf Ulf Mailänder (Geb. 1956)
Die Kurzversion seines Nachrufes hat er selbst geschrieben, kurz vor der Geburt von Lisa, seiner ersten Tochter. Es war einmal ein Sohn, der wuchs in einer harmonischen Familie auf. Der Vater war beschäftigt mit Geldverdienen, die Mutter sorgte dafür, daß er rechtzeitig aß und schiss. Er war ein schwieriges Kind, ließ sich nicht in den Kinderwagen schauen und nahm Spielsachen auseinander, bis sie kaputt waren Eines Tages wollte er in einem Meer aus Papier schwimmen und zerknüllte tagelang Zeitungen.

23.09.2018

Er will, dass die Vertuschung, das Schweigen endlich aufhören

Nachruf auf Manfred Steinkühler (Geb. 1929)
Es ist ein Jammer, dass die Toten die Aussicht nicht genießen können.“ So beginnt ein Text in der „FAZ“ vom 10. Mai 1989. „Denn für den deutschen Soldatenfriedhof in der Gemeinde Costermano am Gardasee hat man sich ein schönes Fleckchen Erde ausgesucht.“ Die Beschreibung gewinnt an Schwung: Felsen, der See, in den man munter springen möchte, der segelnde spanische König, Zypressen, die Alpen. Alles so idyllisch hier, „ein würdiges Gesamtbild“. Wäre da nicht dieser Deutsche, der das Bild beschmutzt.

23.09.2018

Wenn ihn die Lust überfiel, holte er Zettel und Stift, Kaffee und Laptop und setzte sich an einen der Holztische vor seinem Museum. Kurz lauschte er noch dem Lärm hinterher, der da von der Neuköllner Karl-Marx-Straße in seinen Hinterhof drang. Kurz schaute er nach dem Tageslicht, das immer weniger wurde, dann begann er zu planen, zu spinnen und vergaß dabei die Zeit.

16.09.2018

Haben Sie Zeit für einen Spaziergang? An der Seite eines Menschen, der sich zeitlebens die Frage gestellt hat: Wie wollen wir wohnen, wie zusammenleben? An der Seite eines Architekten und Stadtplaners, der eigentlich Maler hatte werden wollen, was ihm bei seinem Beruf sehr half, denn er hatte stets ein Bild der Stadt in seinem Kopf und nicht nur ein Sammelsurium an Gebäuden. Wo wollen wir leben? Dort, wo es am lebendigsten ist, am lautesten, in Mitte, wo die Laufkundschaft die Mieten in die Höhe...

16.09.2018

Klaus ging nur in die besten Restaurants. Nicht, weil er etwas zur Schau stellen musste. Nein, Klaus hatte einen besonderen Feinsinn, und sein Gaumen ertrug nur das, was wirklich gut war. Langweiliges ließ er liegen, egal wie viel es gekostet hatte. Wollte man ihm eine Freude machen, überraschte man ihn mit einem Gericht, das er noch nicht kannte: Schweinebauch nach Sichuan-Art zum Beispiel.

09.09.2018

Herr Jacobsen, Ihre Tochter sollte das Abitur unbedingt ablegen.“ - „Nein.“ - „Aber sie ist begabt. Es wäre ein Leichtes für sie.“ Elgas Lehrer setzt sich noch ein wenig aufrechter. Es hilft nichts. - „Das kann schon sein. Aber Elga wird eine Lehre in der Verwaltung machen, um schnell ihr eigenes Geld zu verdienen. Am besten, sie wird Beamtin.“...

09.09.2018

Was macht eine feine Dame zu einer feinen Dame? Keinesfalls die Herkunft. Denn Ingeborg kam aus ärmlichen Verhältnissen. Der Vater starb früh, die Mutter arbeitete hart, um die drei Kinder durchzubringen. Ingeborg besaß wenig mehr als den Wunsch, etwas darzustellen in der Welt, und eine klare Vorstellung, wer ihr diesen Wunsch erfüllen konnte: Sie selbst. Da keine gute Fee ihr ein Ballkleid zauberte, musste sie es eigenhändig nähen, also lernte sie Schneiderin.