Trauerhilfe Live-Chat

Kai Sender
Sozialarbeiter
Bremen
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Nachrufe

Es wurden 1104 Nachrufe gefunden

11.11.2018

Entweder er ist in seinem Laden oder tot.“ - „Keine andere Möglichkeit?“ - „Nein!“...

11.11.2018

Dünner und kleiner war er in den letzten Jahren geworden, das Haar weiß. Selbst seinen geliebten Schnauzer, mit dem er so viele Frauen beeindruckt hatte, den hatte er abrasiert. Etwas von seiner Stattlichkeit war aber noch zu erahnen, weil er seinen Rücken so gerade hielt und weil er lospolterte wie früher. Und dann waren da die Funken seines einst berühmten Charmes, mit dem er die Leute auf seine Seite zog, der ihn selbst vor laufender Kamera mit der Moderatorin flirten ließ. Auch die Wut war nach...

04.11.2018

Schließlich konnte sie auch mit weniger sehr gut auskommen

Nachruf auf Eveline Hütter (Geb. 1928)
Jetzt hab' ich nie wieder Angst im Leben“, schwor sie ihrem Vater, als die Russen den Keller verließen. Sie hatte die Bombennächte überstanden, den Hunger, den Wahnsinn des Krieges: „An jeder Laterne hing ein Deserteur, junge Kerle, blaues Gesicht, die Zunge raus.“ Im Alter sprach sie immer wieder davon, vom Tod ihrer Schulkameraden, die als Flakhelfer verheizt wurden, von Peter, ihrer ersten Liebe, der als „Halbjude“ zur Zwangsarbeit abkommandiert worden war und nach dem Kriegsende die Stadt verließ.
Sie...

04.11.2018

Als Obsthändler mit Jaguar und Alfa Romeo durch die DDR

Nachruf auf Vittorio Utecht (Geb. 1943)
Als er zurückkam nach Berlin, ging es ihm nicht gut. Er war Anfang 60, hatte fast zehn Jahre in Bulgarien verbracht, einem Land, das ihm nicht ans Herz gewachsen war, die Geschäfte hätten besser laufen können, von der Frau, mit der er dort zusammen gewesen war, hatte er sich längst getrennt. Früher, vor Bulgarien, hatte er regelmäßig Tennis gespielt; so fit wie damals war er längst nicht mehr. Damals war er in der besseren Gesellschaft West-Berlins unterwegs gewesen, Grenzen spielten keine Rolle,...

28.10.2018

Ein Seidenwirkerlehrling namens Heinrich Wohler sollte sich 1834 im perspektivischen Zeichnen vervollkommnen. Also nahm er Block, Stift und Aquarellkasten und machte sich auf den Weg in die Dörfer, die heute zu Berlin gehören, und zeichnete und tuschte alle Feldsteinkirchen. Die recht naiven Abbildungen wurden zu einem Büchlein zusammengestellt. Und gerieten irgendwann in Vergessenheit. Bis sie, 150 Jahre später, wiederentdeckt und neu verlegt wurden.

28.10.2018

Wenn Axel seinen Sohn sehen wollte, musste er sich in den Bus setzen und von Düsseldorf nach Paris fahren. 20 Stunden Zeit, um sich Gedanken darüber zu machen, dass er die Frau ja eigentlich noch liebte, dass er den Sohn am liebsten jeden Tag bei sich haben wollte. Dass er beide schrecklich vermisste. Gesagt hat er's ihnen aber nie. Seine eigenen Wünsche zu äußern, das fiel ihm so schwer. Also fuhr er hin und her, hin und her.

21.10.2018

Die Lehre seiner Kindheit, seines Lebens: Man muss was tun. Von allein kommt irgendwann der Tod, um den Rest muss man sich kümmern. Der kleine Bauernhof der Eltern in der Lausitz ging in Flammen auf, da war er sieben. Die Versicherung bezahlte nichts, da blieb der Familie nur der Umzug in die Stadt. In Berlin versuchten sich die Eltern als Gastwirte, doch es waren wilde Zeiten. Arbeitslosigkeit, politische Kämpfe, die mit Fäusten ausgetragen wurden. Als das immer öfter in der Kneipe von Kurts Eltern...

21.10.2018

Michael liebte diese Badewanne. Wie sie dastand, im Freien, unter den Obstbäumen, sogar mit warmem Wasser. Da legte er sich gerne rein, genoss die Wärme, die Sonne und sein Leben, das er irgendwie in der Bonhoeffer-Nervenklinik geparkt hatte. Fünf Jahre verbrachte er hier mit Mitte 20. Er musste nichts und konnte fast alles, sie ließen ihn spielen, basteln, Musik hören, lesen, sich mit den anderen anfreunden, mit den Schwestern und Ärztinnen flirten. Herrlich.

14.10.2018

Neunzig Minuten. Wenig gemeinsame Zeit. Aber die Zeit davor, und die danach, die zählt auch zum gemeinsamen Leben. Vom ersten Tag der Schwangerschaft an. Hallo, mein kleiner Sonnenschein, Emma Maria, schrieb die Mutter in ihr Tagebuch, Du kannst Dir nicht vorstellen, wie sehr wir Dich lieben und uns danach sehnen, Dich in unseren Armen zu halten. Wir - Deine Schwester Josephine, Dein Papa und ich, Deine Mama Nadin.

14.10.2018

Dort!“ Der Junge, neun, streckt seinen Arm nach vorn und zeigt zur Straße. Die Straße führt zwischen einem Spielplatz und einem Park entlang. „Da kommt man nie rüber, da fahren immer so viele Autos.“ Er läuft zu der Stelle, klick, ein Foto. Dann kramt er einen Stift aus seinem Rucksack und einen Zettel, kritzelt den Namen der Straße darauf und das Wort „Ampel.“...