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06.03.2015
Dieser würde sie endgültig forttragen in die Welt, ins Abenteuer!
Nachruf auf Marianne Schmidt (Geb. 1922)
Isch soh us wie enne Film-Stah," pflegte Marianne zu sagen. So unglamourös ihr rheinischer Dialekt auch klang, Recht hatte sie. Ein altes Foto zeigt ein ebenmäßiges, von seidig-braunen Locken gerahmtes Gesicht, kristallene Augen, der Blick sehnsüchtig in die Ferne gerichtet. Dieser Blick blieb ihr, auch als das Haar längst grau geworden war.
27.02.2015
Er lernte, viel zu schweigen. Wenn er schrie, dann war da keiner, der ihn hörte
Nachruf auf Helmut Stieler (Geb. 1948)
Seine Kindheit lag in einer Wolke, in die nur er hineintauchen durfte. Sie war dunkel, sehr dunkel. Helmut war ein Heimkind, warum seine Eltern ihn nicht bei sich haben wollten oder konnten, das erfuhr er nie. Er lernte, viel zu schweigen, und wenn er mal schrie, dann war da keiner, der ihn hörte. Ein Fluchtversuch misslang, er kam in andere Heime mit noch höheren Zäunen, noch festeren Türen, noch größeren Ängsten.
27.02.2015
Oft ist sie die einzige Frau auf dem Bau, das prägt
Nachruf auf Angela Bühring (Geb. 1950)
Wenn sie eine Ferienwohnung betritt, ein Hotelzimmer, selbst wenn sie ein Krankenhausbett belegt, verrückt sie die Möbel, dekoriert die Wände. Hinterlässt Spuren. Aus ein paar ausgerissenen Zeitschriftenseiten wird schnell eine Collage. Jeder Ort soll ein Zuhause sein. Für sich und für andere. Das hat sie als Kind vermisst.
27.02.2015
Um auf Augenhöhe zu gelangen, stieg sie auf ein Fußbänkchen
Nachruf auf Gerda Schimpf (Geb. 1913)
Wonnigstes Antilöpchen, es ist ja herrlich, dass Du dann auch den ganzen 1. Feiertag und auch noch die Nacht dazu bei mir sein wirst, Du Süsses, Holdes, Liebstes, Zartes.“ Neben den Zeilen steht das Antilöpchen, gezeichnet und mit Aquarellfarben ausgetuscht: Es zeigt seinen biegsamen Rücken und das runde, feste Hinterteil, das gerade noch von dem duftigen Hemdchen bedeckt wird. Das Hemdchen rutscht über die linke Schulter, der Kopf ist gesenkt und mustert den Anbeter. Der liegt auf dem Boden und...
20.02.2015
Und es gab ja auch die hellen Tage
Nachruf auf Carola Krüger (Geb. 1956)
Im Hochzeitsfotoalbum sind die meisten Aufnahmen rotstichig. Und doch passen die Fotos zu Carola, mit ihrem kastanienbraunen dauergewellten Haar, den gütig und verletzlich blickenden Augen. In der Kirchengemeinde hatten sie sich kennengelernt. Als Hans-Jürgen sie zum ersten Mal zum Essen einlud, ganz spontan, hatte sie eigentlich schon gegessen, wollte die Einladung aber auf keinen Fall ausschlagen. Was konnte sie tun?...
20.02.2015
Anfänge und Schlüsse würde er künftig anderen überlassen
Nachruf auf Martin Chalmers (Geb. 1948)
In wen hatte sich seine Mutter eigentlich verliebt? In seinen Vater oder in den Angehörigen der britischen Besatzungsmacht, der im Volkswagen mit eigenem Chauffeur vorfuhr, im Nachkriegsdeutschland, in der schwierigen Zeit?...
13.02.2015
Regelmäßig kontrolliert der britische Geheimdienst seine Loyalität
Nachruf auf Klaus-Peter Lange (Geb. 1924)
Seine Spaghettisoße war legendär und nicht nur bei den drei Enkeltöchtern beliebt: Speck, Wurst, Frühstücksfleisch und jede Menge Tomatenmark, stundenlang eingekocht. Dazu gab’s Malzbier. Vielleicht stammt das Rezept aus Klaus-Peter Langes Zeit in Italien, wo er im Krieg stationiert war. Vielleicht hat es ihm die Krankenschwester verraten, die ihn im Lazarett gesund gepflegt hat, bis er mit ihr Ski laufen konnte.
13.02.2015
Vielleicht war es Schwermut. Vielleicht eine unstillbare Sehnsucht
Nachruf auf Christian Lindenberg (Geb. 1965)
Ein elender Tod, irgendwo am Straßenrand. Zu schlechter Stoff, zu guter Stoff, Überdosis? Die Eltern warten noch immer auf das Obduktionsergebnis. Aber gestorben ist er sowieso schon vor Jahren. Als er sich aufgab. 20 Jahre kämpften die Eltern, 20 Jahre quälten sie sich mit der Frage: Warum packte ihren Sohn die Sucht?...
13.02.2015
"Wer einsam ist, der hat es gut, weil niemand ihm was Böses tut"
Nachruf auf Vera Scheibe (Geb. 1920)
Kurz vor der Operation übergibt sie dem behandelnden Arzt einen Brief. Er soll ihn erst öffnen, wenn alles vorbei ist. „Geht etwas schief, so war es nicht Ihr Fehler“, schreibt sie.
06.02.2015
"Natürlich ohne Helm! Ich will doch nicht aussehen wie ein Feldwebel!"
Nachruf auf Denis Poncet (Geb. 1948)
Eine Liaison zwischen Denis Poncet und Berlin war eher unwahrscheinlich. Sein Vater war französischer Vize-Admiral, der von den Amerikanern dekoriert wurde, weil er ein deutsches U-Boot versenkt hatte.