Nachrufe
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09.01.2015
Einen festen Galeristen hat er nie gefunden. Es hat ihn nicht geärgert
Nachruf auf Rainer Betz (Geb. 1941)
Er hat alles mit links gemacht. Die Rechte hing herab, die Finger meist ein wenig nach hinten gespreizt. Die Linke führte den Pinsel, ach was Pinsel, ein Zepter hielt die Linke, denn Rainer Betz war ein König in seinem Reich der Farben und Formen, Herrscher über die seltsamsten Untertanen, die je ein Berliner Maleratelier bevölkerten. Da war das polyglotte Schnabeltier, stets auf Reisen, Fritz Vogelschreck und die Raben, die weltverschlingende Riesenschlange, da tanzten gespenstische Harlekine mit...
09.01.2015
Katholikin, Oberin und "Schwulenmutter par excellence"
Nachruf auf Marianne Lindemann (Geb. 1936)
Er stand gerade in dem Laden eines kleinen Winterferien-Ortes, als er eine wohlvertraute Stimme „100 Gramm Schinken“ sagen hörte.
02.01.2015
Nun ist er aber Jesuit geworden und nicht Lokführer
Nachruf auf Franz-Josef Glorius (Geb. 1935)
Er hätte natürlich auch Lokführer werden können, wie etwa Klaus Hollenbach, Absolvent derselben Schule, auf die auch er gegangen war. Klaus Hollenbach war Lokführer geworden, weil ihm im Osten der Stadt die akademische Laufbahn verwehrt geblieben war. Was wiederum an der Schule lag, die sowohl er als auch Franz-Josef Glorius besucht hatten, dem jesuitischen Canisius-Kolleg. Als Hollenbach im Osten zwangsweise seinen Traumberuf ergriff und Lokführer wurde, durfte Franz-Josef Glorius im Westen eine...
02.01.2015
Selbst Rockstar werden? Das wäre mit Arbeit verbunden. Wie uncool!
Nachruf auf Alexander Kögler (Geb. 1957)
Im Krankenhaus wurde er noch wegen des Gehirntumors operiert, dann kam er in ein Hospiz, geschwächt von Hepatitis, Leberzirrhose und neuen Tumoren. Am Ende Morphium gegen die Schmerzen, gegen die Angst, gegen das Leben und dessen letzte Härten. So keuchte sich Alex Kögler aus dem Leben, segelte davon.
19.12.2014
"Erzähl mir noch, wie der Roman endet". "Das Ende ist offen."
Nachruf auf Felix von Caldenhoff (Geb. 1982)
Ein nicht eben einfacher junger Mann reiste, wie fast jeden Freitag des vergangenen Jahres, mit dem Zug von Münster nach Berlin. Die dreieinhalbstündige Fahrt verlief, von außen besehen, friedlich, keine Abgründe taten sich rechts und links der Strecke auf, es ging nicht Felsenstraßen entlang, sondern nur, über Hamm und Hannover, ins Flachland. Und trotzdem überschritt der junge Mann, Felix, eine Grenze, reiste von einer Welt in eine andere.
19.12.2014
Stolz trug er seinen Blaumann. Denn wenn einer hierher gehörte, dann er
Nachruf auf Ulrich Franze (Geb. 1955)
Wenn Uli Franze an den Cafés und Boutiquen der Kastanienallee in Prenzlauer Berg entlanglief, wirkte er wie einer vom anderen Stern zwischen all den jungen Leuten in ihren Hipster-Klamotten. Aber die Mehrheit hatte ihn noch nie interessiert und Trends schon gar nicht. Stolz und aufrecht trug er seinen Blaumann. Denn wenn einer hierher gehörte, dann er. An der Prenzlauer Allee war er aufgewachsen, in den Kneipen von Prenzlauer Berg kannte er zur DDR-Zeit Hinz und Kunz, hier schloss er die lebensnotwendigen...
19.12.2014
"Ich fand’s absurd, aber ich hab’s halt gemacht"
Nachruf auf Katrin Bendrich (Geb. 1971)
Was nimmt man denn da so mit in ein Hospiz?“, fragte Katrin Bendrich beiläufig bei unserem vorletzten Treffen.
12.12.2014
Perücke auf, die Lippen rot und dann: Ta Taaa!
Nachruf auf Marian Bresnikar (Geb. 1980)
Wenn Marian sich gut fühlt, zieht er die Schuhe aus. Ganz egal, wie der Fußboden ist, Schmutz oder gar Glasscherben kümmern ihn nicht. Er läuft auf Strümpfen. In seiner Familie haben die Männer halt heiße Füße.
12.12.2014
Einmal nur sah die Tochter sie weinen
Nachruf auf Johanna Fischer (Geb. 1924)
Ebenerdig wuchs sie auf, und bodenständig blieb sie, eine Meisterin der praktischen Lebensfragen. Ihre Schulfreundinnen liebten den langen, fensterlosen Wohnschlauch, der hinter dem Elektrofachgeschäft von Johannas Eltern lag. Die Wohnung war wie eine Höhle, die Sicherheit und Geborgenheit vermittelte in unsicheren Zeiten. Und dann sackte sie doch zusammen unter der Bombardierung Berlins.
12.12.2014
Rätsel, in denen er sprach, entwirrten sich erst später. Oder nie
Nachruf auf Louis Busman (Geb. 1944)
Louis und seine Frauen. Papa- Lou nennt er sich manchmal. Klingt nach Balu, dem „Dschungelbuch“-Bären. Louis mag Kinderbücher sehr. Er schreibt und zeichnet selber ein „Trostbuch für kranke Kinder“. Und er liebt Comics. „Tim und Struppi“, sämtliche Abenteuer.