Nachrufe
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03.03.2017
Herablassung macht krank, Zuwendung heilt
Nachruf auf Dieter Janz (Geb. 1920)
Viele Menschen sind dick, viel zu dick. Nicht weil sie krank sind, sondern weil sie zu viel essen. Sie haben kein Körperbewusstsein mehr. Wer einen Fettsüchtigen behandeln will, wird folglich scheitern, wenn er ihn mit den üblichen Geboten plagt: Du musst weniger essen. Du musst dich mehr bewegen.
24.02.2017
Die Lehrer essen Pizza in den Klassenzimmern
Nachruf auf Simone Grafe (Geb. 1953)
Da gibt es die Anekdote mit der Mücke auf Simones Arm. Sie lässt sie trinken von ihrem Blut, entspannt schaut sie zu und lässt sie fliegen. Wer sie kannte, dem leuchtet sofort ein, dass das typisch für sie war. Eine sehr spezielle, leicht skurrile Form der Nächstenliebe.
24.02.2017
Jeder Geburtstag: ein Hoch auf die Freundschaft
Nachruf auf Ullrich Motz (Geb. 1948)
Die Höhepunkte der Jahre mit Ullrich waren seine Geburtstage. Die feierte er jedes Jahr groß. Besuch im Kolbe-Museum, danach Kaffee und Kuchen auf der Terrasse des Café K. Ein Stadtausflug nach Dessau mit Radtour und Bauhaus-Besuch. Einmal mietete er einen Reisebus und fuhr mit seinen Gästen in den Pückler-Park Muskau an der polnischen Grenze, wo sie eine Tour mit gemieteten Rädern machten. Fast wie Hochzeiten seien die Feiern gewesen, zu denen er jedes Jahr im Sommer seine Freunde zusammenbrachte,...
24.02.2017
„Ich wollte doch nur mal ein bisschen in die Welt gehen“
Nachruf auf Silke Müller (Geb. 1974)
Silke?“ Ein lang gezogener, ängstlicher Ruf in der Dunkelheit. „Silke? Wo bist du?“ Keine Antwort. Die Mutter, der Vater, die Großeltern suchen die Gegend ab, Silke ist noch klein, Stunden verstreichen, nichts, kein Zeichen. Sie schreien den Namen jetzt. Und dann die erlösende Stimme: „Sie ist hier.“ Seelenruhig sitzt Silke am Rand eines Sees und sagt zaghaft in die über sie gebeugten, erregten Gesichter: „Ich wollte doch nur mal ein bisschen in die Welt gehen.“...
17.02.2017
„Türkiyemspor“ ist ein Komet, und er ist dabei
Nachruf auf Fikret Ceylan (Geb. 1958)
Ein Mann läuft am Spielfeldrand auf und ab. Um ihn herum tobt es. Die Zuschauer jubeln, die Trainer brüllen, die Spieler fluchen. Nur er ist still, kneift die Augen zusammen und taxiert die Spieler, wertet ihre Laufstärke, ihre Technik und ihre Leidenschaft. All das merkt er sich. Legt es ab in seinem unendlichen Fußballspeicher. Notizen macht er sich nie.
17.02.2017
Kein Mann sollte die Planungshoheit über ihr Leben haben
Nachruf auf Rosetta Froncillo (Geb. 1937)
Wie kannst du als Italienerin hier in Deutschland leben?“, fragten ihre Freundinnen oft, Mignons sehnsüchtiges Seufzen im Ohr: „Kennst du das Land, wo die Zitronen blühen “ Natürlich kannte sie es, viel zu gut kannte sie es. Ihre Lebensfrage war: „Wie kannst du als Italienerin in Italien leben?“ In den fünfziger Jahren, als jeder Spaziergang für ein Mädchen ein Spießrutenlauf war, als im Halbschatten der Hauseingänge, im Dunkel des Kinos stets Männer lauerten: „Ich war immer die Beute, die von einer...
10.02.2017
Es könnte immer zu spät sein. Er weiß das ganz genau
Nachruf auf Herbert Weinmann (Geb. 1948)
Ich war krank und ihr habt mich besucht“, sagt Jesus zu seinen Jüngern. „Wenn ihr krank seid, besuche ich euch, egal ob früh am Morgen oder spät am Abend“, sagte Herbert Weinmann.
10.02.2017
Sie warnte ihn, sie könne nicht kochen, waschen, nähen, bügeln
Nachruf auf Lona Jakob (Geb. 1922)
Mit 91 hatte sie einen Oberschenkelhalsbruch. Zwei Monate später stand sie wieder auf der Tanzfläche, zum sonntäglichen Tanztee in „Clärchens Ballhaus“. Sieben Zentimeter hoch waren ihre Absätze. Am liebsten tanzte sie den Cha-Cha-Cha.
10.02.2017
„Ick hab doch nüscht, weeste doch. Ick mach so mit Häusern rum.“
Nachruf auf Andreas Ferrari (Geb. 1958)
Zum Geburtstag der Tochter schmücken Luftballons und Girlanden das Wohnzimmer, bunte Servietten liegen auf dem Tisch, auf dem Kuchen brennt eine Kerze. Als die ersten Gäste mit Geschenken eintreffen, Babys durcheinanderschreien und die kleine Meike stolz und strahlend im Mittelpunkt steht, hält sich einer im Hintergrund und staunt. Andreas Ferrari, der junge Vater, erlebt mit 25 Jahren zum ersten Mal einen Kindergeburtstag.
03.02.2017
„Du bist zwei Jahrhunderte zu spät geboren“
Nachruf auf Georg Donderer (Geb. 1933)
Nein, so geht das nicht, ich habe von Haltung gesprochen, du aber hockst da wie ein Fragezeichen. Hol den Eimer!“ Georg läuft mit gesenktem Kopf über den Perserteppich, vorbei am Steinway-Flügel, kommt wieder mit einem Eimer voll Wasser und einem Brett, legt das Brett auf den Eimer, setzt sich darauf, mit seinem Cello zwischen den Knien, und versucht erneut, den Mittelteil der Beethoven-Sonate zu spielen, hoffend, dass sein Lehrer diesmal zufrieden ist, Rudolf Hindemith, ein unter der Berühmtheit...