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06.01.2017
Er war Hans im Doppelglück, er hatte die Pflicht, es zu probieren
Nachruf auf Hans-Joachim Bartels (Geb. 1946)
Europas größte Wanderdüne wurde vor mehr als 10 000 Jahren aufgeweht. Mit bis zu 60 Meter Gipfelhöhe bildet sie eine der mächtigsten Erhebungen Berlins. Das ist seine Heimaterde, nein, sein Heimatsand, er hat die Heiligenseer Düne gezeichnet und seine ganze Kindheit dazu, auf einem großen Bild. Man kann es lesen wie ein Buch.
16.12.2016
„Was soll mir denn passieren? Ich bin erfahren“
Nachruf auf Andreas Marth (Geb. 1965)
Wandern im Schnee, fernab der Piste, mitten in der Wildnis. Nur er, der unendliche Himmel und die Weite der Berge. Nordlichter will er sehen. Auf die Berge rauf und mit den Skiern wieder runterdüsen. Sehnsuchtsmomente. Von der Reise nach Norwegen träumt er schon lange.
16.12.2016
Ansonsten sprach rein gar nichts für eine Akademiker- laufbahn
Nachruf auf Modjtaba Nasseri (Geb. 1928)
Der 23. Juni 1969 ist ein warmer Tag, das Thermometer zeigt zur Mittagszeit 30 Grad Celsius an, die Sommerferien beginnen in Kürze und die B.Z., wie viele andere lokale und überregionale Zeitungen auch, meldet auf der Titelseite einen grauenhaften Unfall: „8-Jähriger verlor bei Sturz aus der S-Bahn seinen rechten Arm.“ Darunter, in noch größeren Buchstaben, die Sensation: „Ärzte nähten den Arm wieder an.“...
09.12.2016
„Zwei Dinge, die ich nie hatte: Geld und Angst.“ Und ein Drittes: Ausgeglichenheit
Nachruf auf Baruch Teitler (Geb. 1947)
Warum passiert alles so, wie es passiert?“ Wer glaubt, das sei eine einfache Frage, die Baruch Teitler da stellt, der irrt. Baruchs Leben ist der beste Beweis. Er kam zur Welt in einem Lager für Displaced Persons, in Ulm unter der Obhut der Amerikaner. Seine Mutter stammte aus Czernowitz, ihre Familie war vertrieben worden, sie selbst und die Großmutter wurden in ein Arbeitslager verschleppt. Drei Jahre lang versteckte sich die Mutter Nacht für Nacht in einer Kiste, weil sie fürchtete, von den Wachsoldaten...
09.12.2016
Er war in einem kaputten Körper eingesperrt. Na und?
Nachruf auf Sven Normann (Geb. 1984)
Als das Kind geboren wurde, hielt man es für gesund. Es war der einzige Moment in seinem Leben, da er wie alle war - wenn man von den Klumpfüßen und einer seltsam nach innen gebogenen Stellung der Daumen absah. Das könne man operieren, versprachen die Ärzte im Strausberger Klinikum. Doch schon bald begann sich sein Zustand zu verschlechtern, das Kind musste künstlich beatmet werden.
02.12.2016
Wen wunderts? Ihr Stand war nicht besonders fest
Nachruf auf Beatrix Boesch (Geb. 1960)
Barbara, ihr erster Name, stammt aus dem Griechischen: die Fremde. Beatrix, so nannte sie sich später, kommt aus dem Lateinischen: die Glückliche. Wann man doch mit dem Namen auch sein Schicksal ändern könnte!...
02.12.2016
Was Solides sollte er machen, was Einfaches. Und dann das!
Nachruf auf Friedrich Becker (Geb. 1922)
Da hockt sie, die Sonnenblume. Ihre langen Beine hat sie angezogen, ihre dünnen Arme schützend drum herum geschlungen. Ihren Kopf, den reckt sie nach oben, dem Himmel und der Sonne entgegen. Im Gesicht ein Lächeln, so friedlich, so kindlich, so schön wie nicht von dieser Welt. Irdisch sind aber die Hände, die sie erschaffen haben. Die erst das Modell aus Ton formen, dieses mit Gips einhüllen und so eine Abgussform für die Bronze erzeugen. Die dann das Metall bearbeiten. Und am Ende hockt sie da aus...
25.11.2016
Bis ihm dann die Akkorde verrutschten
Nachruf auf Wolfgang Schäfer-Wernicke (Geb. 1949)
Stell dir vor, du wirst eingemauert. Von den Füßen aufwärts. Stein um Stein, eng anliegend. Du wirst eingezwängt ins engste vorstellbare Gefängnis, in deinen eigenen Körper. Du kannst atmen, sehen, riechen. Du kannst nicht mehr gehen, nicht mehr greifen, nicht mehr sprechen. Aber dein Geist bleibt wach. Was für ein böser Zauber! Das medizinische Wort dafür: Multiple Systematrophie. An Bord der Enterprise hätten bei dieser Meldung alle Alarmsirenen in grellstem Rot gelärmt: Komplettausfall des Systems.
25.11.2016
Die latein- amerikanische Literatur las sie nicht in Lateinamerika
Nachruf auf Maria Bamberg (Geb. 1915)
Es ist klein und leicht, das Paket, das der Postbote Maria reicht. Sie legt es vor sich auf den Tisch, öffnet die Schnüre und entnimmt ihm einen Brief ihrer Schwester und einen Flicken Pelz. Das muss ein Stück des alten Persianermantels meiner Mutter sein, denkt sie und betastet das weiche Bündel. Sie fühlt etwas Flaches, Hartes und beginnt zu lesen: „Erkennst du ihn wieder, deinen Stein?“...
18.11.2016
Aber über die Jahre verging er nie ganz, der stechende Schmerz
Nachruf auf Hartmut Walter (Geb. 1932)
Sehnte er sich tatsächlich nach dem Baltikum? Vermisste er nicht vielmehr nur einen winzigen Ausschnitt der estnischen Landschaft: die Bucht und den einsamen Strand am Finnischen Meerbusen, die Findlinge und das Fischerdorf, die Sonnenflecken unter den Kiefern, das hübsche Holzhaus, den Duft von Wacholder und Windröschen? War es nicht die Sehnsucht nach den endlosen, heißen Sommern der Kinderjahre?...