Trauerhilfe Live-Chat

Kai Sender
Sozialarbeiter
Bremen
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Nachrufe

Es wurden 1104 Nachrufe gefunden

03.02.2017

Im Jahr 1965, kurz nach der Kubakrise, schreiben sich ein Russe und ein Amerikaner Postkarten. Die beiden führen Krieg; auf den Rückseiten der Karten stehen kurze Codes: „e4.“ „ e5.“ „ Sf3.“ „Sc6.“ „Lc4.“ „Sf6.“ Hans Berliner und Yakov Estrin führen Krieg auf 64 Feldern, Fernschach. Italienische Eröffnung, Zweispringerspiel in der Ulvestad-Variante; die Partie gilt als das beste Schachspiel des 20. Jahrhunderts. Estrin verliert nach 42 Zügen, was für ihn zwar schade ist, für diese Geschichte aber...

03.02.2017

Jahr für Jahr verabschiedet sie sich und ist sicher, dass es ihr letzter Geburtstag, ihr letztes Weihnachten, ihr letzter Sommer sein wird. Doch die Zeit vergeht und Erika sieht erst ihre Enkelkinder groß werden und dann ihre Urenkelinnen: wie sie zur Schule gehen, ihr Abitur machen, ihr Studium beginnen. Und Erika? Die ist immer noch da und staunt: Was die Mädchen heute alles aus sich machen und was sie alles lernen können. Am liebsten fragt sie ihre Urenkelin über ihr Lehrerstudium aus: „Wenn ich...

27.01.2017

Da ist ein Drängen in ihr. Immer vorwärts, immer weiter, immer gibt es noch etwas, das sie unbedingt machen will. Antje Kaiser will Professorin werden, noch mehr eigene Stücke inszenieren, ein Kind bekommen; das sind die großen Dinge. Englisch lernen, einen bestimmten Mann an ihrer Seite, das Beste aus ihren Schülern herausholen; das sind die kleinen. Keine Pause, die Arbeit maximal und unbedingt, koste es was es wolle, am Ende kostet es ihre Gesundheit.

27.01.2017

Man kann sich kaum vorstellen, dass die Stenotypistin Lotte Rambauseck aus der Hagenauer Straße, Prenzlauer Berg beglückt war, als sie im Frühjahr 1933 schwanger wurde. Die 25-jährige Mitarbeiterin im illegalen Abwehrapparat der Kommunistischen Partei war schon auf dem Sprung nach Moskau, um sich auf der Lenin-Schule für geheimdienstliche Arbeit ausbilden zu lassen.

20.01.2017

Halt inne! Setz dich auf eine Bank! Und wenn du Glück hast, setzt sich ein Mensch dazu. Forrest Gump vielleicht. Oder Ur, wie ihn seine Freunde nennen, Ur mit schwer gerolltem R. Und vielleicht erzählt er dir eine Geschichte. Die kann traurig sein, zumindest fängt sie traurig an, obwohl sie in einer wunderbaren Stadt beginnt: Istanbul. Eine junge schöne Frau, Krankenschwester, wird von ihrem Liebhaber verlassen, einem Arzt, der ihr seine Ehe verschwiegen hat. Sie bekommt ein Kind und geht fort aus...

20.01.2017

Gibt es einen, der ihr gefällt, fährt sie mit ihm baden

Nachruf auf Gerlind Erna Erlitz (Geb. 1930)
Es gibt ein Foto, kurz nach dem Krieg aufgenommen, da steht Gerlind mitten in Kreuzberg auf der Straße, im Hintergrund kaputte Häuser, Trümmerhaufen, alles grau in grau. Doch sie sticht hervor, hat ein weißes Kleid an, ein schwarzer Gürtel fixiert den Stoff an ihrem klapperdünnen Körper. Kurz zuvor war sie im Krankenhaus wegen Unterernährung.

20.01.2017

Halb sechs, hopp, mit einem Satz aus dem himmelblau bezogenen Bett, drei Schritte nach vorn, die Beine hüftbreit, mit dem Oberkörper kreisen, als kurze Aufwärmübung, dann gehts los mit dem Frühsport, hinunter auf einen flauschigen rosa Vorleger, die Beine gestreckt, die Arme durchgedrückt, und: eins, zwei, drei ... Liegestütze wie ein Brett, hoch, runter, ohne Schwanken, ohne Ächzen. „So“, sagt Elli, wieder auf den Füßen, und läuft flink ins Badezimmer, nimmt einen kleinen, runden Spiegel und eine...

13.01.2017

„Jetzt muss ich meine Unordnung wieder neu herstellen“

Nachruf auf Wolfgang Ernst (Geb. 1943)
Zuletzt war seine Schwester wieder bei ihm. Sie legte sich mit aufs Sterbebett, sein Kopf ruhte auf ihrer Schulter. Und sie ließ ihn erzählen, leise, was immer ihm so durch den Kopf ging.

13.01.2017

Eine große Welt war das, kompliziert und voller Ansprüche

Nachruf auf Constantin Seeber (Geb. 1984)
Vertrauen. Es war eine warme Spätsommernacht vom siebten auf den achten September. Kurz vor zwölf schickte Constantin seiner Mutter eine Nachricht: „Bist du wach?“ War sie. Er stand vor ihrer Haustür, sie kam runter, er strahlte. „Steig auf. Lass uns ein Stück fahren!“ Er zeigte stolz auf die Honda, wo auch immer er die nun wieder her hatte. „Nur die Hildegardstraße hoch und runter. Wirst sehen, das macht Spaß.“ - „Ich hab doch gar keinen Helm.“ - „Nimm meinen!“ Und er guckte sie so an mit seinen...

06.01.2017

Ein flirrender Geist auf festem Grund

Nachruf auf Andreas Podkowa (Geb. 1967)
Die Liste ist lang: eine Burger-Imbiss-Bude in Marwitz, eine Oldtimer-Halle in Oranienburg, ein Rolls-Royce- Hochzeitsservice, die Vermietung von Ferienwohnungen, eine Trockeneis-Reinigung und der Vertrieb eines Energy-Drinks. „Das hat er alles gemacht?“ - „Das hat er alles gemacht! Neben seiner Vollzeitarbeit bei Siemens. Und an neuen Ideen tüftelte er bereits, Blechverkleidungen für Kühlschränke und ein Kletterpark für Kinder schwebten ihm vor. Mein Bruder hatte immer viele Bälle in der Luft.“
Einige...