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Kai Sender
Sozialarbeiter
Bremen
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Nachrufe

Es wurden 1104 Nachrufe gefunden

05.05.2019

Nachruf auf Walter Bathe (* 17. April 1940)
Am Ende hatte er alles verloren. Seinen Hof, seine Felder, sein Lebenswerk. Alles, was ihn ausmachte, so sah er es. Dabei hatte er noch so viel, eine ihn liebende Frau, zwei größer werdende Kinder, ein neues Zuhause mit einem wunderschönen Blick auf den See. Doch die Niederlage war zu groß, der Verlust nicht zu verkraften.

28.04.2019

Im Herbst des Jahres 2000 erschienen auf dieser Seite nacheinander zwei Nachrufe auf ein und denselben Mann. Über dem ersten Text stand nur ein Name: „Ernst Müller“, über dem zweiten ein paar mehr: „Ernst Müller alias Marco von Lobkowicz alias Herbert von Gmachler alias Roberto Sbogetoni“. Über beiden stand immerhin dasselbe Geburtsjahr, 1918, von dem bis heute niemand sagen kann, ob es stimmt.

21.04.2019

Man könnte lange suchen in diesen Stapeln von Bücherkartons. Man könnte fahnden nach einer auf den Rand einer Seite geschriebenen Notiz, einem Zettel mit einer Anmerkung, nach etwas, das er selbst dazugegeben hat. Ob man ihn, Martin, darin fände?...

21.04.2019

Schon wenige Monate nach Axels Geburt verlässt die Mutter mit ihren drei Kindern Berlin. Bei den Großeltern im schlesischen Schwertburg, überstehen sie den Krieg und flüchten im Frühjahr 1945 in Richtung Westen. Berlin erscheint dem vierjährigen Axel wie ein riesiger Abenteuerspielplatz. Rechts vom Haus und gegenüber stehen gewaltige Ruinen, links eine Feuerwehrstation, vor der Haustür fährt die Straßenbahn.

14.04.2019

Gendarmenmarkt, die Weinhandlung „Lutter & Wegner“. Einige Herren mit distinguierter Miene und Einstecktuch, andere in Happy-Hour-Lässigkeit. Einige Damen mit sorgsam übereinandergeschlagenen Knien, andere mit rubinrot leuchtenden Lippen. Zwischen ihnen bewegt sich geschmeidig ein hochgewachsener Mann, schwarze Hosen, weißes Hemd, goldene Fliege, goldene Hosenträger, und reicht Wein, Kaffee, Likör. Die Tür wird geöffnet, die Hitze der Nachmittagssonne drängt für einen Moment in den kühlen Raum, Daniel...

14.04.2019

Sie wollten ihm ein Verdienstkreuz um den Hals hängen als Anerkennung seines Schaffens für Staat und Volk, dafür, dass er Berlin mit wiederaufgebaut hatte, dass er Dutzende Gewerbehöfe und Mietshäuser sanieren und wiederaufbauen ließ. Dafür hantierte er mit Millionen, Geld aus öffentlicher Hand, ohne jemals rote Zahlen zu schreiben. Doch Günther Habermann antwortete in einem Brief, dass er wirklich überrascht sei, „da ich mir keiner außergewöhnlichen oder gar rühmlichen Tätigkeit bewusst bin“. Und...

07.04.2019

Ich wurde als Deutscher erzogen, als Berliner. Ich wurde nicht beschnitten. Ich wurde mit Spreewasser getauft.“ Segeln, Rudern, Regatten bejubeln: Am Wannsee verbrachte er als Kind seine glücklichsten Tage. Peters Vater hatte ein Boot dort liegen, einen schnellen Segler, gemeinsam mit Adolf Hain, dem späteren Vorsitzenden des „Vereins Seglerhaus“. Das Boot, ein rasanter Schärenkreuzer, war auf den Namen „Elan“ getauft worden, eine Zusammenfügung der Anfangsbuchstaben von Adolf Hains Ehefrau Elisabeth...

07.04.2019

In Italien lässt man locker, erlaubt sich was

Nachruf auf Marianne-Luise Pötting (Geb. 1931)
Diese Kreppsohlen, wie affig. Mariannes Interesse ist jedenfalls geweckt. Wer ist der Typ mit dem Transistorradio, der von Ruderboot zu Ruderboot schäkert, an diesem schönen Tag auf dem Müggelsee?...

31.03.2019

Ein Ausbruch nach innen, geistige Fernreisen in staubigen Räumen

Nachruf auf Hartmut Schönfuß (Geb. 1953)
Genau genommen waren es zwei, die da vor zehn Tagen zu Grabe getragen wurden: Hartmut, der stille, penibel arbeitende Schreibtischheld. Und Hartmut, der neugierige Freigeist und Weltreisende. Der eine, stets akkurat in Hemd und Jackett gekleidet, zog aus seiner ledernen Aktentasche dicke Manuskripte, mit Schnipsgummi zusammengebunden und mit sorgfältigen Korrekturen versehen. Der andere, ausgestattet mit einer bunten Kappe auf dem Kopf, zog aus derselben Aktentasche eine Flasche Rotwein, war gesellig,...

31.03.2019

Dann hielten sie ihre Reden eben vor weißen Wänden

Nachruf auf Thomas Günther (Geb. 1952)
Er war 17, als sie ihn ins Gefängnis steckten. Ein schweres, staatsgefährdendes Verbrechen sollen er und seine Freunde begangen haben. Der Tatort: Schneeberg, eine kleine Stadt im Erzgebirge. Hier ist Thomas aufgewachsen, hier lebte er mit seiner Mutter, einer Biologielehrerin, hier ging er zur Schule. Sein Vater Egon Günther, ein in der DDR sehr bekannter Autor und Regisseur, hatte sich im Angesicht der alltäglichen Familienpflichten und der Kleinstadttristesse schnell in die Filmstadt Babelsberg...