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Kai Sender
Sozialarbeiter
Bremen
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Nachrufe

Es wurden 1104 Nachrufe gefunden

18.05.2012

Zur Hochzeit in Prenzlauer Berg wurde Erbsensuppe serviert

Nachruf auf Günter Berger (Geb. 1926)
Sein Vater war Markthelfer, die Mutter schneiderte. Zu fünft bewohnten sie eine winzige Wohnung in Prenzlauer Berg. Schlafraum, Wohnküche, Außentoilette. Als die finanzielle Not zu groß wurde, ging die Mutter mit ihm zu Aschinger, dem Bier- und Brotmagnaten. Günter war 13 Jahre alt und hatte die achte Klasse abgeschlossen. Er könne morgen als Bote anfangen, sagte man ihr. Es war der 23. Dezember 1940, sein erster Arbeitstag war Heiligabend. Er musste viele Geschenke ausliefern. Selber bekam er keines.

...

18.05.2012

Sich tot stellen. Um nicht getötet zu werden. Rudolf Herzfeldt liegt auf dem Rücken, auf hart gefrorenem Schnee. Das Panzerdröhnen, die Schüsse und Schmerzensschreie sind verstummt. Da hört er Stimmen, russische Sätze, genau über ihm. Er versteht die Sätze, obwohl er seit Jahren kein Russisch mehr gesprochen hat. „Der hat ja einen Gurt mit goldener Schnalle“, sagt der erste Soldat. „Ist das der Kommandant?“, fragt der zweite. Rudolf atmet nicht. Hände zerren an seinem Koppelschloss, knöpfen den...

11.05.2012

"Jahrelang bin ich ein braves Mädchen gewesen"

Nachruf auf Anna Bodwin (Geb. 1925)
Eines Tages, als Anna sich mit einem Schulaufsatz abmühte, mitten in einem Satz stecken blieb, den Kopf hob und aus dem Fenster schaute, sah sie eine Dame die Straße entlanggehen. Sie war jung und schlank, hatte ihre blonden Haare zu einem Bubikopf schneiden lassen und trug ein leichtes fliederfarbenes Kleid, das hinter ihr herwehte. Vor der Tür gegenüber Annas Fenster blieb die Dame stehen und läutete, ein Herr öffnete und sie verschwand.

11.05.2012

Sie liebt Italien, die Kleidung, das Essen, die Musik. In Mailand hat sie eine Wohnung. Italienisch spricht sie fließend.

11.05.2012

Hans Richter wohnte in der Crellestraße 45. Gegenüber, in der Crellestraße 8, lag die Kohlenhandlung Scholz. Dort arbeitete er. In der Crellestraße 41, im „Leuchtturm“, trank er sein Feierabendbier. Manchmal ging er auch ins „Scheffler“, Crellestraße 39.

04.05.2012

Was die Welt braucht: Eine Kopfgarage. Noch nie davon gehört? Eine sehr nützliche Sache! Reingehen, Klappe runterlassen, Kopf parken. Die Stille genießen oder die passenden Sounds. Ein Viertelstündchen friedlich wegdämmern. Dann wieder auf die Rennbahn Leben.

04.05.2012

Aufatmen? Das Überleben wieder gegen ein Leben tauschen?

Nachruf auf Gisela Jacobius (Geb. 1923)
Berlin, 1942. In den Kinos läuft der Film „Wir machen Musik“. Gisela war lange nicht mehr im Kino, alle Veranstaltungen, die nicht vom Jüdischen Kulturbund ausgerichtet werden, sind ihr verboten. Doch Gisela ist 19 Jahre alt, sie will leben, und weil es zum Leben manchmal dazugehört, sich einen unnützen Film anzuschauen, trennt sie den gelben Stern von ihrem Mantel.

27.04.2012

"Er war nicht oberflächlich, aber ein Wanderer"

Nachruf auf Eberhard Schröder (Geb. 1940)
Für ein Leberblümchen am Wegrand machte Eberhard Schröder sich noch einmal auf den Weg, fuhr einen Tag nach der Exkursion mit der Studentengruppe abermals von Berlin nach Potsdam, grub die purpurne Blume behutsam aus und trug sie in sein eigenes Beet.

27.04.2012

Aber sie findet, sie gehört hierher, in den Sudan

Nachruf auf Else El-Khawad (Geb. 1934)
Auf dem Weg nach Khartoum, der Hauptstadt des Sudans, hält der Zug der frisch Vermählten in dem kleinen Ort Kabushiya. Nicht wie üblich eine Minute, sondern so lange, wie es der Scheich von Shendi für nötig hält, um seinen Sohn Hamid und dessen deutsche Frau Else zu begrüßen. Er ist nicht allein gekommen; eine große Ansammlung weiß gewandeter Menschen erwartet das Paar. Hamids Mutter wird zur Feier des Tages mit einem großen weißen Schirm vor der Sonne geschützt.

27.04.2012

Sie ist eben manchmal gerne allein. Denken die Freundinnen

Nachruf auf Angelika Nicolaus (Geb. 1948)
Ein Foto, der Innenraum eines holzvertäfelten Restaurants. Durchs Fenster geht der Blick auf Himmel und Meer, bunte Strandkörbe. Am Tisch sitzen ein Mann und eine Frau mit braun gebrannten Urlaubsgesichtern. Der Mann mit markantem Schnurrbart ist groß, sein Hemd tief aufgeknöpft. Die Frau im rosa Pulli lehnt sich an ihn. Sie hat ihre Schultern leicht hochgezogen, als schäme sie sich ein wenig. Aber ihr helles Gesicht verrät Glück.