Nachrufe
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22.03.2013
Man erreichte ihn am "Fernsprecher". "Telefon" klang ihm zu modern
Nachruf auf Wolfgang Staschen (Geb. 1927)
Mauern aus Büchern haben ihn nie behindert. Zola, Heine, Goethe, Marx, die ganzen Klassiker, dann politische Biografien, Soziologie, Reiseliteratur, Landkarten, Stiche. Und irgendwo auf einer Lichtung zwischen den Papiertürmen saß Wolfgang Staschen, die großen schweren Hände übereinandergeschoben, Rollkragenpulli, Cordsakko, Hornbrille, und erzählte Geschichten aus der Nachkriegszeit, von Willy Brandt und Herbert Wehner, oder von den frühen Bewohnern der Potsdamer Straße, als sie noch eine bürgerliche...
15.03.2013
Lange Gespräche sind seine Sache nicht
Nachruf auf Peter Fichtner (Geb. 1948)
Dieser Staub überall und die Steine. Es ist auch viel zu warm für einen April. Die schwere Einkaufstasche und dann der Bauch. Bald wird es losgehen. Schnell noch in die Apotheke. Die vier Stufen hoch, bestellen, bezahlen, dann aber schleunigst nach Hause.
15.03.2013
Sie hätte gern noch mehr von der Welt gesehen
Nachruf auf Ingrid Hauke (Geb. 1945)
Es geht die Treppe runter, einen schmalen Gang entlang, dann rechts durch die Tür. Hier hatte Ingrid Hauke ihr kleines Reich eingerichtet. Wenn sie Ruhe brauchte, konnte sie sich dorthin zurückziehen. In ihrem Zimmer hatte sie alles ausgestellt, was ihr Leben ausmachte, was sie prägte, wen sie liebte, wonach sie sich sehnte. Sie setzte sich in ihren Sessel, und die Nachmittagssonne schien über den Garten ihres Hauses durch das Fenster in ihr Gesicht. Von hier aus, hatte sie ihr Leben im Blick.
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15.03.2013
Überhaupt ließ er sich von seinem Schicksal nicht die Laune verderben
Nachruf auf Daniel Kotrc (Geb. 1965)
Wer Daniel Kotrc treffen wollte, musste sich nachmittags gegen 17 Uhr in die Schöneberger Kneipe „Graffiti“ begeben – vorausgesetzt es war ein Tag ohne Werder-Bremen-Spiel. Wenn Werder Bremen spielte, war er unterwegs zum Fan-Einsatz.
08.03.2013
Sie trainierte, gab das Rauchen auf und gewann das Sportabzeichen und den Sekt
Nachruf auf Friedegard Liedtke (Geb. 1916)
Wenn du laufen willst, dann lauf eine Meile. Willst du aber ein neues Leben, dann lauf Marathon.“ Als Friedegard Liedtke mit 57 Jahren ihr Leben änderte, hatte sie das Motto des tschechischen Leichtathleten Emil Zátopek kaum im Sinn, aber schon zwei Jahre später stand sie an der Startlinie zu ihrem ersten Langstreckenlauf.
08.03.2013
Er ist eben kein Dienstleister, sondern Künstler unter Dauerdruck
Nachruf auf Tim Pernitzsch (Geb. 1969)
Ein letztes Mal ist das „Freischneider Aktionsatelier“ im hippen Kreuzkölln voll mit Menschen. Sie nehmen Abschied von Tim, dem Friseur, Künstler, DJ und Musiker. Fixstern oder Irrlicht, Tim polarisierte. Weltberühmt in Kreuzberg, wie ein Stadtmagazin titelte, 1-a-Haarschnitte, selbst erklärter Neffe von Joseph Beuys. Einer, der mit der Noise-Rock-Ikone Kim Gordon von „Sonic Youth“ Musik gemacht hat. „The Captain Of Your Hair“ hat seine Welt aufgeben müssen, das „Institut zur Förderung des Schönen...
01.03.2013
Die Kamera streift das Leben, überrascht es
Nachruf auf Hans Pieler (Geb. 1951)
Später konnte er nicht mehr genau sagen, ob es seine eigene Erinnerung oder die immer wieder erzählte seiner Eltern war: Er ist vier und steht am Gartenzaun, sagt kein Wort, beobachtet die Leute, ein Amselpaar in einer Hecke und eine Wolke, die sich vor die Sonne schiebt.
01.03.2013
Er war doch einer von den Lustigen und Starken
Nachruf auf Bernd Sander (Geb. 1950)
Elefanten arbeiten sich unermüdlich durch den Urwald, klettern über Höhen und Felsen und durchschwimmen Flüsse. Sie kümmern sich um ihre Familie, um die Herde. Sie gelten als freundlich und aufopfernd. Bernd liebte seine Vitrine, sie war voller Nachbildungen afrikanischer Elefanten. Das sind die mit den großen Ohren. Er hatte sie in Südafrika gesehen, und ihr Anblick hatte ihn ins Herz getroffen. Verwandte.
01.03.2013
Ein strenges Regiment, dem sie sich zuallererst selbst unterwarf
Nachruf auf Hanne Zoege von Manteuffel (Geb. 1925)
Sie wurde neben ihren beiden Söhnen beigesetzt. Den Bibelvers hatte sie selbst ausgewählt „Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn. Er wird’s wohl machen.“...
22.02.2013
Er überstand die Schläge der Gestapo, ohne sein Versteck preiszugeben
Nachruf auf Rolf Joseph (Geb. 1920)
Das Vergangene ist nicht vorbei. Deshalb traf er sich noch viele Jahre nach dem Krieg mit Leidensgenossen und Bruder Alfred, seiner „Keule“, jeden Mittwoch um elf am Nettelbeckplatz in Wedding. So wie damals, nachdem die Gestapo im Juni 1942 die Eltern aus der Weddinger Wohnung abgeholt hatte. Sie waren Juden.