Nachrufe
Es wurden 1104 Nachrufe gefunden
24.05.2013
Er hätte seinem Land gern etwas zurückgegeben
Nachruf auf Francis Kingue Ekamby (Geb. 1945)
Afrika, was machst du mit deinen Kindern?“, klagte ein Priester auf der Beerdigung. „Du verstreust sie in alle Welt, und wenn sie zurückkommen wollen, weist du sie ab!“...
17.05.2013
Mit fester Stimme erklärte sie: "Ich fasse keine Nadel an!"
Nachruf auf Margrit Meffert (Geb. 1938)
Die Eiserne Lunge war eine monströse Maschine. Sie sah aus wie ein stählerner Sarg, der Aufenthalt in ihr war eine Tortur. Eine lebensrettende Tortur für Menschen mit Atemlähmungen. Heute ist sie fast in Vergessenheit geraten, ebenso wie die Krankheit, die sie lindern konnte – Polio, Kinderlähmung.
17.05.2013
Sie springt vom OP-Tisch. Die Ärzte jagen ihr hinterher
Nachruf auf Solveigh Hammermeister (Geb. 1967)
Es ist 20 Uhr, Solveigh lässt die Pasta im Restaurant stehen, ruft Juri an. Singt am Telefon: Der Mond ist aufgegangen. 20 Uhr, nächster Tag, im Theater, Solveigh verlässt den Zuschauersaal, ruft Juri an. Singt im Regen: Die Blümelein, sie schlafen.
10.05.2013
Sie machte Pläne, fühlte sich kräftig genug, wieder zu unterrichten
Nachruf auf Ulrike van den Berg (Geb. 1961)
Diese dritte Klasse hatte bereits drei Lehrern jeden Mut genommen. Der Direktor der Reinhardswald- Grundschule in Kreuzberg überlegte hin und her. „Vielleicht“, begann er stockend und fuhr mit einem „möglicherweise“ fort, und Ulrike unterbrach ihn und sagte: „Ja“, worauf die Rede des Direktors in Fahrt kam: „Hauptsache du schaffst es, eine Klassengemeinschaft zu bilden. Das Lernen kommt dann später.“...
10.05.2013
Das Glück scheint perfekt, doch die Umsätze bleiben gering
Nachruf auf Eva Ostojic (Geb. 1954)
Sie überlegt, wie es wäre zu sterben, gemeinsam das Leben verlassen, das so schwergängig, so freudlos geworden ist, auch einsam. Denk an die Viecher, sagt er. Die drei Hunde und sieben Katzen, welches Tierheim würde sie nehmen, alle auf einmal?...
10.05.2013
In den Iran reiste er nur noch selten
Nachruf auf Huschang Chahmoradi Tabatabai (Geb. 1935)
So oft Huschang Chahmoradi Tabatabai als Kind umgezogen war, so begrenzt und behütet war seine Welt. Ob sie am Kaspischen Meer lebten, zu Füßen des Elburs-Gebirges oder am Rande der Wüste – die elterlichen Anwesen waren stets von hohen Mauern gesäumt. Sein Vater war ein hochrangiger Offizier des iranischen Schah-Regimes, der seine Adjutanten hin und wieder dafür einsetzte, Huschang und dessen vier jüngere Geschwister zu bewachen. Huschangs Mutter war eine liebevolle, aber sehr besorgte Frau, die...
03.05.2013
Sie schaute in den Berliner Himmel und band den Gürtel ihres Mantels fester
Nachruf auf Erika Rieft (Geb. 1920)
Wer bestieg damals schon, Anfang der Vierziger, ein Flugzeug. Und wer flog tatsächlich los. Vielleicht betuchte Damen und Herren, hochgestellte Persönlichkeiten. Sicher Soldaten, um Bomben auf feindlichem Gebiet abzuwerfen. Erika Rieft gehörte weder zu den einen noch zu den anderen. Sie blieb, wie die meisten, am Boden. Aber sie sah die Maschinen, jeden Tag, wenn sie von dem Stenografieblock, den sie abzutippen hatte, aus dem Fenster ihres Büros auf das Tempelhofer Flugfeld schaute. Sah die Maschinen...
03.05.2013
Als sie zurückkam, war sie müde. Eine Utopie ist kein Zuhause
Nachruf auf Annemarie Tröger (Geb. 1939)
Zu welcher Sehenswürdigkeit darf ich Sie fahren“, fragte der Taxifahrer in Kambodscha höflich. „Zur Müllkippe!“ – „Bitte?“ Er drehte sich zu dem Paar hinter ihm. Die Frau nickte lächelnd. „Zur Müllkippe!“...
26.04.2013
"Nicht oft genug war mir bewusst, dass ich fast glücklich war"
Nachruf auf Lisa Wiesler (Geb. 1933)
Manche, die an ihre Tür klopften, konnten sich eigentlich keinen Anwalt leisten. Doch für Lisa Wiesler durfte Gerechtigkeit keine Frage des Geldes sein. Sie fühlte sich denen verpflichtet, die, wie sie es sagte, „im Lebenskampf keine Sieger waren.“ Gegen das alltägliche Unrecht ging sie nicht nur als Anwältin an: Fast 30 Jahre lang engagierte sie sich in der SPD Wilmersdorf, wo sie sehr deutlich ihre linken Positionen vertrat.
26.04.2013
Existieren Autoren außerhalb ihrer Bücher? Würde er standhalten?
Nachruf auf Bernd Heimberger (Geb. 1942)
Frühjahr 1983, Blankenfelde, südlich von Berlin. Ein Sohn protokolliert das Sterben seiner Mutter. Und das eigene Mitsterben, das eigene Kaumnochleben auch: „14 Uhr, die Wasseruhr wird ausgewechselt. Ich warte, warte, warte auf den Telefonanruf, wünschte, Lebensuhren könnten ausgewechselt werden wie Wasseruhren. – Seit einer Stunde bist Du im Operationssaal.“ Und er hat die Handwerker! Wegen der Wasseruhr. Einer fragt, ob es ihm gut gehe. So leise haben die Monteure noch nie im Haus gearbeitet.