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25.01.2013
Aus den Helmen zerbrechlicher Ritter sprießen blaue Blüten
Nachruf auf Gerhard Lahr (Geb. 1938)
Wer in der DDR aufgewachsen ist, kennt Gerhard Lahr. Vielleicht nicht dem Namen nach, seine Bilder aber kennt man. „Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt“, so hieß eins der Bücher, die er illustriert hat. Man erinnert sich an das Huhn, das gerade noch vor dem Feuerwehrauto zur Seite flattert, die Oma mit der roten Nase, die besorgt durch ihre große runde Brille schaut.
25.01.2013
Und später machte ich eine Ausbildung zur Fahrstuhlführerin
Nachruf auf Ursula Zellmer (Geb. 1919)
Mein Vater hat sich früh mit einem Fotoatelier in Berlin-Lichtenberg selbstständig gemacht. Zu seinen Kunden gehörten Matrosen, die sich auf dem Schiff und im Hafen von ihm fotografieren ließen. Er hat dann die Bilder aufs Schiff geliefert. Einmal fuhr das Schiff los, als er noch an Bord war, so kam er nach Afrika.
18.01.2013
"Mensch Manne, jetzt leg doch mal die Gitarre weg!"
Nachruf auf Manfred Praeker (Geb. 1951)
Gitarre spielen und singen, das hat er früh gelernt, als kleiner Pimpf bei den Pfadfindern. „Wildgänse rauschen durch die Nacht mit schrillem Schrei nach Norden / Unstete Fahrt habt acht habt acht / was ist aus uns geworden?“...
18.01.2013
Er war der Mann vom Krisenfach, der wusste, was ging, wenn nichts mehr ging
Nachruf auf Klaus-Peter Johanssen (Geb. 1938)
Im März 1995 startete der Ölkonzern „Shell“ in Deutschland eine große, teure Kampagne. „Shell“ spendete Geld für soziale und ökologische Projekte und bewarb in Anzeigen und Fernsehspots sein neues gesellschaftliches Bewusstsein. „Das wollen wir ändern“ hieß der Slogan, verantwortlich war Klaus-Peter Johanssen, oberster Öffentlichkeitsarbeitsarbeiter des Konzerns in Deutschland. Er war stolz auf das Projekt, er tat Gutes für die Firma und Gutes für die Menschen. Doch es kam etwas dazwischen.
11.01.2013
Eine von diesen neuen Frauen, die machten, was sie wollten
Nachruf auf Gerti Graff (Geb. 1928)
Gerti war 17 und hatte gerade ihr Notabitur gemacht. Da starb ihr Vater im Volkssturm von Berlin, wenige Tage nach Kriegsende. Ein mutiger Mann, er war aus dem Stadtrat geflogen, weil er sich geweigert hatte, in die NSDAP einzutreten. Auch die Mutter zeigte Haltung, als es drauf ankam. Allein mit den zwei Töchtern, musste sie russische Soldaten in ihr Haus bei Potsdam einquartieren und für sie kochen und nähen. Sie schützte ihre Mädchen vor der Vergewaltigung, indem sie sich selbst schänden ließ.
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11.01.2013
An Bord nennt er sich Fred, das klingt modern und weltläufig
Nachruf auf Alfred Fränkel (Geb. 1913)
Junge, wie alt bin ich?“...
11.01.2013
Es kommt aufs Schwert, die Bewegung und auch auf die Sorte des Apfels an
Nachruf auf Rasmus Boatus (Geb. 1947)
Der Übergang vom Tankwart Lothar Krüger zum Illusionisten Rasmus Boatus gestaltete sich fließend, aber sehr langsam fließend. Krüger, ein hochgewachsener Mann, langweilte sich des Nachts an der Tankstelle Kantgarage. Einer wie er, der die Welt bereist hatte, der Giftschlangen in Kenia fing, Safaris in Tansania leitete, als Fischer in Portugal, Kuhhirte in Israel, Barkeeper in Holland und Stuntman in Spanien gearbeitet hatte, als „Schmierer“ im Maschinenraum großer Schiffe übers Meer gefahren war,...
04.01.2013
Was für Freunde sie hatte! Sie war doch nicht mal in der Partei
Nachruf auf Christa Schollain (Geb. 1933)
Sie gab das Tempo vor. Als Schlagfrau beim Rudern, Vierer und Achter, bestimmte sie mit ihren Ruderschlägen die Geschwindigkeit. An der Hochschule für Körperkultur in Leipzig war sie Kanutin, aber schnell wurde sie von den Ruderern abgeworben. Mit ihrer Größe von fast 1 Meter 80 hatte sie die idealen Hebelmaße.
04.01.2013
Seine "Reisschale" ist einer der ersten Asia-Läden in West-Berlin
Nachruf auf Maung Tin Htut (Geb. 1942)
Laut ist es, die Menschen rempeln einander an, hasten mit schweren Plastiktüten in die U-Bahn. In der „Reisschale“, Karl-Marx-Straße 181, ist es still. Ein bisschen zu kalt, aber angenehm still. Ein Xylofon aus Indonesien steht da, in den Regalen indische Chutneys, Porzellan aus China, Masken aus Bali, Misopaste aus Japan, Öl aus Vietnam. Eier und Kartoffeln aus Brandenburg, Naturkosmetik aus dem Schwäbischen.
28.12.2012
Sie lernte, Libellen mit der Hand zu fangen, ohne sie zu verletzen
Nachruf auf Britta Schneider (Geb. 1980)
Sie war immer unterwegs, immer auf der Suche nach etwas Neuem. Vielleicht hängt das mit Pinningen zusammen, dem kleinen Ortsteil im Saarland, wo sie aufgewachsen war. Der Enge auf dem Land, wo alle Katzen „Mohrle“ oder „Blacky“ hießen, versuchte sie sich zu entziehen. Sie machte eine Orgelausbildung in der Kirche, spielte den Konfirmanden aber statt Kirchenliedern Beatles-Harmonien vor. Sie sparte auf ein Moped und fuhr damit nachts heimlich auf Punkkonzerte, bevor sie morgens wieder in der Kirche...