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19.07.2013
Musik, war das nicht Religion mit anderen Mitteln?
Nachruf auf Klaus Lang (Geb. 1938)
Im Frühjahr 1983 ging der Musikredakteur und Orchesterreferent des SFB Klaus Lang durch Leningrad. Er machte etwas, wozu er kaum begabt war, und vielleicht tat er es ohnehin nur seiner Frau zuliebe: Er schlenderte. Nichts erschreckte Klaus Lang so sehr wie der Schlenderschritt durchs Leben, die eigentümliche Ziellosigkeit von Menschen, die Schaufensterauslagen betrachten.
12.07.2013
Die Haltung kerzengerade: "Tanzen mit Niveau"
Nachruf auf Heinz Georg Finck (Geb. 1913)
Heinz Georg Finck begann die Erzählung seines Lebens am liebsten mit der Schilderung einer Zugfahrt nach Berlin 1945. Neben ihm saß ein Berliner: „Wat sindse? Tanzlehrer? Gratuliere und in Deckung, die Leute werden Ihnen die Bude einrennen.“ Heinz Georg Finck betrachtete durch das Fenster die Ruinen und staunte über so viel Zuversicht.
12.07.2013
Auch sie war sehr katholisch, das Strenge jedoch lag ihr nicht so
Nachruf auf Rosa Theresie Holtwick (Geb. 1934)
Wenn ihre Kinder aufwachten, stand das Frühstück bereits auf dem Tisch, und die Stullen für die Schule waren auch schon geschmiert. Maulte jemand: „Ich will keine Salami aufs Schulbrot“, gab es trotzdem Salami aufs Schulbrot. Geschmäcklerisches Getue konnte Rosa Theresie nicht leiden. „Denkt an die armen Kinder in Äthiopien“, sagte sie dann, oder: „Ihr wisst nicht, was Hunger ist. Ihr wisst nicht, wie es ist, von Kartoffelschalen zu leben.“...
05.07.2013
Und manchmal stellte er sein Glas zur Seite, nahm sie in den Arm und tanzte mit ihr
Nachruf auf Maren Beers (Geb. 1948)
Einmal im Jahr erzählten sie diese Geschichte, mindestens. Meist zu Marens Geburtstag, wenn alle da waren, die Kinder, die Enkelkinder und die Freunde. Irgendjemand gab ein Stichwort, und die anderen riefen: „Macht schon!“ und „Lasst euch nicht bitten!“...
05.07.2013
Sie seufzt den Flugzeugen nach: "So was werden wir uns nie leisten können"
Nachruf auf Gisela Wilcke (Geb. 1915)
Selbst ist der Mann. Und was ist die Frau? Gisela Wilcke war zunächst einmal für die anderen da, für ihre Schwester, ihren Mann, ihre Kinder. Ein bürgerliches Frauenleben, das im Kaiserreich begann und beinahe hundert Jahre währte, lange genug, um schließlich noch mehr zu sein als ein dienendes, der Familie verschriebenes.
05.07.2013
"Häng die hässliche Tapete weg und schöne Bilder dran an die Wand!"
Nachruf auf Ingo Fiedler (Geb. 1928)
Er hätte auch ordentlicher Philosoph werden können wie jeder gute Kneipier. Dazu ist eine Kneipe nun mal da, für den gelebten Größenwahn mitsamt Absturzgarantie und für die Tresengespräche über Gott und die Welt über und unter dem Tisch.
28.06.2013
Das war ihm wichtiger als alles andere, normal sein, dazugehören
Nachruf auf Mirko (Geb. 1958)
Manches fühlt sich so beschämend an, ist so behaftet mit Verletzungen, das nimmt man lieber mit ins Grab. Bei Mirko war es die Zuneigung zu Männern. Seine Eltern ahnten nichts, seine Geschwister vielleicht schon, auch einige Kollegen, aber Mirko blieb bis zuletzt standhaft dabei: Er sei ein Hetero, „ein ganz normaler Mann“. Das war ihm wichtiger als alles andere, normal sein, dazugehören.
28.06.2013
Besonders elektrische Gitarren waren ihr ein Gräuel
Nachruf auf Christa Saß (Geb. 1925)
In den siebziger und achtziger Jahren war das „Quartier Latin“ in der Potsdamer Straße 96 eine Institution: eine Mischung aus kleiner Kneipe und großem Jazz-, Blues- und Rockschuppen. Ein Familienbetrieb, der so viel Arbeitseinsatz forderte, dass für ein Familienleben nebenher keine Zeit mehr blieb.
21.06.2013
Er wollte sofort alles über den Bossa Nova wissen
Nachruf auf Hans Limburg (Geb. 1962)
Mitten in Rio de Janeiro, auf der Bühne einer Bossa-Nova-Bar, steht ein Berliner. Er spielt auf seiner Gitarre und singt brasilianische Lieder. Alle Vokale gelingen ihm weich und rund, kein Konsonant klingt kehlig oder hart.
21.06.2013
Da hieß es gönnerhaft: "Die steht ihren Mann"
Nachruf auf Veronika Schröter (Geb. 1939)
Gut geworden!“, hatte Veronika im letzten Telefonat zu ihrer Tochter gesagt. Sie meinte die drei kleinen Ölgemälde, die sie gerade fertiggestellt hatte. Sie standen auf der Staffelei, als man die Mutter tot in ihrer Wohnung fand.