Nachrufe
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04.10.2013
An ihrem Rucksack das Schwimmbrett, auf ihrer Nase die Sonnenbrille
Nachruf auf Ricarda Westphal (Geb. 1985)
Mit Chucks an den Füßen und den Songs von Green Day im Ohr war Rica unterwegs. „It’s something unpredictable but in the end it’s right, / I hope you had the time of your life.“ Bei Wind und Wetter saß sie auf dem Fahrrad. Kaum eine Strecke war ihr zu weit, wenn sie mit wehenden blonden Haaren durch Berlin eilte. Sie kannte die besten Routen von ihrer Wohnung in Prenzlauer Berg zur Uni. Mit dem Rucksack fuhr sie einkaufen. Sie besorgte Reispapier, Zitronengras und Ingwer und lud ihre Freunde in ihre...
04.10.2013
Es gab so vieles, was glücklich machte
Nachruf auf Roland Kühnhold (Geb. 1989)
Wer hat mir auf den Kopf gekackt?“ Die Geschichte vom kleinen Maulwurf, der unbedingt wissen wollte, warum ihm gerade so ein Mist passiert, war Rolands Lieblingsbuch in der Kindheit. Jeden Abend hat die Mutter ihm und seiner Schwester vorgelesen. Stapel von Büchern haben sie gemeinsam aus der Bibliothek geholt – und dann erst mal schön sauber gemacht.
04.10.2013
Jeder Kunde hatte das Recht auf die gute Laune des Meisters
Nachruf auf Jürgen Bachhuber (Geb. 1938)
So was von hanseatisch, das gibt es heute überhaupt nicht mehr. Jürgen Bachhuber, schlank, drahtig, Kinnbart, neugierig blitzende Augen, hätte einen Kreuzfahrtkapitän darstellen oder auch nur lässig durch den Hamburger Hafen schippern können und wäre immer die Idealbesetzung gewesen. Viel schwerer war es natürlich, als Berliner Fleischermeister den Legendenstatus zu erreichen, aber einer muss ja, und dann soll er es doch auch draufhaben, nicht wahr?...
27.09.2013
Lieber der Zeit immer einen Schritt voraus
Nachruf auf Leo Schmidt (Geb. 1916)
Wir hätten auch ein Garagentor zum Fliegen gebracht“, sagte Leo Schmidt einmal, „nur braucht man dazu weit mehr Energie als bei einem Flugzeugflügel.“ Fliegen hatte der in Moskau geborene und in Estland aufgewachsene Bremer Kaufmannssohn während seines Studiums bei den Akademischen Segelfliegern in Berlin gelernt.
27.09.2013
Sie mochte es nicht, wenn man ihr zu nahe kam
Nachruf auf Ruth Martha Rasch (Geb. 1921)
Liefen die Enkeltöchter mit ihrer Großmutter durch die Spandauer Altstadt, schafften sie kaum fünf Meter, ohne angehalten zu werden: „Hallo, Frau Rasch!“ „Guten Tag, Frau Rasch, wie geht es Ihnen?“ So freudig die Menschen die Dame grüßten, so auffällig war es, dass niemand sie mit „Du“ anredete oder mit „Ruth“.
27.09.2013
Normannen, Wikinger oder Waräger, für ihn waren sie alle Europäer
Nachruf auf Wilfried Menghin (Geb.1942)
Alle Entdeckungen sind gemacht. Alle Kontinente sind erobert, die Länder kartografiert und die Lebensweisen ihrer Bewohner bis ins Detail erforscht. Wer heute nach dem Unbekannten sucht, muss ins All aufbrechen.
20.09.2013
Im März aber bedankte sie sich doch noch fürs Gedicht
Nachruf auf Jutta Göbel (Geb. 1936)
Als Karl-Wilhelm im August 2000 bei der Geburtstagsfeier einer Freundin eintraf, fiel ihm Jutta Göbel ins Auge, „eine so feine, edle Frau“. Sie begannen ein Gespräch, das 13 Jahre lang so lebendig blieb wie an diesem Tag.
20.09.2013
"Hallöchen! Das ist sensationell, dass du anrufst!"
Nachruf auf Gisela Pukaß-Fritsch (Geb. 1936)
Sie ist da. Auch wenn man Catherine Deneuve sieht, blass und wahnsinnig in Polanskis „Ekel“; oder Judi Dench, kühl und vornehm, als „M“, Chefin von James Bond. Sie ist da mit ihrer Stimme. Der jugendlich hellen, der rauen, späten. Catherine Deneuve und Judi Dench auf Deutsch sind Gisela Pukaß-Fritsch.
20.09.2013
Eine wunderbare Sache, mit großen Augen durch die Stadt zu laufen
Nachruf auf Alessandro Carlini (Geb. 1943)
Im Kopf eines Künstlers hat jedes Ding seinen Platz, nur nicht immer an der Stelle, wo es vermeintlich hingehört. Ein Stuhl beispielsweise ist ein Stuhl, aber nur wenn wir darauf sitzen. In seiner freien Zeit, der unbenutzten, ist er ein Kunstwerk. Sofern wir einen Blick dafür haben. Wir können ihn bemalen, tapezieren, auseinandernehmen, schräg zusammensetzen. Wir können ihn mit anderen Stühlen um einen Tisch gruppieren, als Familienstuhl, oder ihn als Sonderling in den Flur verbannen, was bei Gästen...
13.09.2013
Der Untermann hat am meisten auszuhalten
Nachruf auf Günther Wiehler (Geb. 1944)
Günthers Zwillingsbruder Heinz hatte die Artistenschule in Berlin besucht und war Akrobat bei den „Tornados“, einer erfolgreichen Gruppe von Schleuderbrett-Artisten. Als einige von ihnen 1967 in den Westen flohen, holte Heinz Günther nach Berlin, und nach ein paar Trainingseinheiten wurde Günther Untermann. Davor hatte er Tischler gelernt und als Präparator und Ornithologe gearbeitet.