Nachrufe
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27.12.2013
Die Französisch- Prüfung schaffte er gerade so. Und rief vor Freude: "Vive la France!"
Nachruf auf Hans-Michael Fladée (Geb. 1953)
Anderen blieb noch Zeit. Zwei, drei Jahre mehr. Zu Hans-Michael hatten die Ärzte gesagt: „Zehn Monate, vielleicht zwölf.“ Geschafft hat er vier. Er wäre gern noch einmal nach Griechenland geflogen. Hätte sein Segelboot bestiegen und sein Gesicht in die Sonne gehalten. Aber die Zeit raste.
27.12.2013
Es war früh klar: Sie würde sich auf sich selbst verlassen müssen
Nachruf auf Irene Boll (Geb. 1922)
In den letzten Monaten stand ihr Bett am großen Fenster im Erdgeschoss. Sie sah in den großen Garten mit den Obstbäumen, die so Widersprüchliches für sie bedeutet hatten: Last und Lust, Rettung vor Hunger und Gefahr für die Gesundheit. Im Krieg und in den kargen Jahren danach hatten die Früchte ihr und den Eltern das Überleben erleichtert. Ein Übermaß an Fruchtzucker wurde später für die Diabetikerin zum Problem.
27.12.2013
Nie würde sie sich an den Tisch setzen und mittrinken
Nachruf auf Erika Zarth (Geb. 1931)
Die Bilanz der Schießerei in der Bleibtreustraße, 27. Juni 1970: Ein Toter, drei Verwundete, sieben zerschossene Autos und ein paar Jahre Knast für die beteiligten Bandenchefs.
20.12.2013
"Das kann doch nicht sein, dass es mir so gut geht und ich am Ende sterben muss?
Nachruf auf Inge Schillings (Geb. 1957)
Inge hatte mit den Männern abgeschlossen. Schade eigentlich, sagte sie. Aber mit 50 findet man keinen mehr. Schön war das Leben trotzdem. Sie hatte ihre Tochter Lara, sie hatte den Chor, sie ging gern zur Arbeit in die Kita. Die Nachbarschaft stimmte und die Miete zum Glück auch noch. Alles im Lot.
20.12.2013
Er hatte wie immer alles geplant und jedes Hindernis im Blick
Nachruf auf Bernd Gallandi (Geb. 1959)
Ameisenscheiße!“ Und jetzt bitte alle: „Ameisenscheiße!“ Das Lächeln für die Kamera ist garantiert. Aber der Umgang mit den Kunden fiel Bernd Gallandi ohnehin leicht. Er war keine Diva hinter der Kamera, sondern einfach nur ein sehr guter Fotograf. Das hätte ihm in der Schule keiner geweissagt. Zwei Mal sitzen geblieben, nach der elften Klasse schneller Abgang, „bildungsfernes Elternhaus“. Aber ein Vater mit Humor, Zimmerman und Polier, der gern mal einen zu viel trank, immer zulasten der Haushaltskasse.
20.12.2013
Sein Zeigefinger glich eher einem Komma als einem Ausrufezeichen
Nachruf auf Manfred Engelbrecht (Geb. 1927)
Aus einer Nische des mit Büchern, CDs und Zeitungsstapeln angefüllten Arbeitszimmers zieht ein Sohn eine Holzkiste hervor. Darin schichten sich, sorgsam glatt gestrichen, Bögen jenes bunten Seidenpapiers, in das früher die Apfelsinen gewickelt waren. Mit dem Sammeln von Apfelsinenpapier genehmigte sich der Pfarrer Manfred Engelbrecht eine kleine Naivität, ein wenig Kitsch bei seinem ansonsten sehr kritischen Verhältnis zur Welt und zu der eigenen Biografie.
13.12.2013
Er hatte gute Chancen auf eine gesicherte Existenz
Nachruf auf Andreas Schulz (Geb. 1964)
Nie hat Andreas die Szene vergessen, als die Nonne im Kinderheim ein anderes Kind auf ihrem Schoß hatte und ihn brüsk zurückstieß. Dabei hatte er doch nur seinen anvertrauten Platz eingefordert. Später erfuhr er, dass es sich um eine Erziehungsmaßnahme handelte, die von der Oberin angeordnet worden war. Den Erzieherinnen war es verboten, zu enge Bindungen mit einzelnen Schützlingen aufzubauen. Die Nonne, die ihn zurückstieß, war die einzige Bezugsperson seiner ersten Lebensjahre, an die er sich...
13.12.2013
"Es gibt nichts Gutes, außer man tut es"
Nachruf auf Eike Warweg (Geb. 1939)
Wo immer Eike Warweg war, bei dienstlichen Terminen, im Frühstückssaal eines Hotels, im Restaurant oder unterwegs in Prager Gassen – er verwickelte Menschen in Gespräche. Erfuhr er von einem seiner vielen Bekannten Interessantes über einen Dritten, nahm er auch mit diesem Kontakt auf. Wie mit dem Komponisten Hans Werner Henze. Er hatte gehört, dass Henze gerade ein Klavierquintett komponiert hatte, also rief er ihn kurzerhand an: ob er das Stück nicht mit seinen Freunden, dem Pianisten Holger Groschopp...
13.12.2013
Ebenso vehement schritt er im Leben vorwärts
Nachruf auf Karl-Friedrich Zelter (Geb. 1924)
Man muss aufmerksam sein, muss den Kopf ein wenig heben, entdeckt erst dann die sechs vergoldeten Buchstaben auf den Kapitellen an der Fassade des Maxim-Gorki- Theaters: ein Z, ein E, ein L, ein T, ein E, ein R, zusammen ZELTER. Carl Friedrich Zelter war seit 1800 Direktor der Sing-Akademie zu Berlin, unter dessen Leitung das Konzertgebäude am Festungsgraben fertiggestellt wurde. Er war Musikpädagoge und Komponist und ein Freund Goethes. Beide starben 1832. 1932 stand Zelters Ururenkel Karl-Friedrich...
06.12.2013
Hey, du Leben, komm schon her, trau dich, wir sind bereit!
Nachruf auf Felix und Lukas Beckstett (Geb. 1992 und 1994)
Das wäre jetzt wieder so eine Sache, in die er sich hätte verbeißen können. Weil sie ungerecht ist und unrichtig. So etwas provozierte ihn zum Widerspruch, auch zum hartnäckigen, manchmal riskierte er dabei auch mehr, als andere vernünftig fanden. Aber zu bremsen wäre er kaum gewesen.