Trauerhilfe Live-Chat

Kai Sender
Sozialarbeiter
Bremen
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Nachrufe

Es wurden 1104 Nachrufe gefunden

25.04.2014

Schmale, sensible Hände hatte Christoph Rohrbach, Hände, mit denen er als alter Mann Wünschelruten und Pendel zum Ausschlagen brachte und kranke Körper zu heilen versuchte.

25.04.2014

Dem Arzt zeigte er Blutstropfen im Schnee: "Die sind von mir"

Nachruf auf Horst Weber-Rhody (Geb. 1921)
Braun gebrannt und nur mit einer Sporthose bekleidet, offensichtlich voller Elan, so sitzt Horst Weber-Rhody auf der Kante seines Rollstuhls. Auf dem Kopf spiegelt sich die Sonne, er lacht breit. Wer ihn auf diesem Foto betrachtet, würde kaum auf die Idee kommen, dass da ein 90-Jähriger mit den Folgen eines Schlaganfalls kämpft. Gejammert wurde nicht. Anpacken, das war seine Art, auch um mit den Trümmern in seinem Leben fertig zu werden.

11.04.2014

Text hatte er keinen, dafür einen wilden Bart

Nachruf auf Arno Manthe (Geb. 1937)
Zu Liljas Taufe war Arno eingeladen. Er saß abseits, sah verwegen aus mit seinem zotteligen Bart, er rollte Zigaretten. Gäste fragten Franco, Liljas Vater, wer dieser Herr denn sei. Franco antwortete: Das ist Arno, ein Freund von mir, ein Lebenskünstler.

11.04.2014

Er sezierte die Werke Schopenhauers. Dann gab es die DDR nicht mehr

Nachruf auf Hans Christian Förster (Geb. 1953)
Um ein Haar wäre der Mann, der so gerne Friedhöfe besuchte, in der falschen Erde begraben worden – direkt neben einer Schrottpresse auf einem Friedhof in Tempelhof. Seine Freunde hinderten den Bestatter am Versenken der Urne. Hans Christian Förster, ohne Frau und enge Verwandte, war wenige Tage vor seinem 60. Geburtstag in seiner Wohnung gestorben, eine Nachbarin hatte zwei Tage später die Polizei gerufen. Die Bestattung organisierte ein Amt. Was das Amt nicht wusste: Hans Christian Förster hatte...

11.04.2014

Angelika sitzt auf dem Rand des Bettes und liest das Kleingedruckte eines Beipackzettels: Schwindel könne auftreten, Schlaflosigkeit, auch Herzrasen. Vielleicht waren es die Medikamente, denkt sie, die unheilvolle Mischung aus all den Tabletten, die sie täglich schluckte. „Ich weiß nicht“, hatte der Arzt gesagt, „ob ihre Mutter noch in der Lage ist, allein zu leben.“ Angelika waren selbst Zweifel gekommen. Aber dann sah sie, dass Helene ohne Schwierigkeiten kochte, abwusch und Staub wischte. Oder...

04.04.2014

Er lebt im Hier und Jetzt. Er kann Zeit verschenken

Nachruf auf Harald Tolksdorf (Geb. 1954)
Orange leuchtet die Trauerkarte, die auf der Beerdigung verteilt wird. Darauf ein Zitat von Dylan Thomas: „Doch es wandelten sich die Wege / und führten meist zu anderen Orten als geplant.“ Halla war kein Lyrikfan, aber das passt. Harald sagte keiner zu dem Althippie, Wirt und Fußballfan, Raucher, Reisenden und Weintrinker. Halla hieß mal ein eigenwilliges Sportpferd, es gab den Fußballstar Helmut Haller, und Hermann Hesses „Steppenwolf“ war Harry Haller. Auch das alles passte irgendwie zu diesem...

04.04.2014

"Ein Droschken- kutscher ist unter meinem Niveau"

Nachruf auf Christa Habrich (Geb. 1937)
Die Reise war schon gebucht, eine Woche Nordlandfahrt mit der MS Astor. Im Jahr 2005 war das. Eine Freundin hatte ihr die Reise geschenkt, aber Christa kam nicht zum Bahnhof.

04.04.2014

Das viele Geld rann ihm durch die Finger

Nachruf auf Dominik Schloemp (Geb. 1962)
Salesman rettet den Umsatz. Salesman, blond, kantiges Gesicht, Raubtierlächeln, setzt die Kettensäge an den Tarifdschungel, ein Teufelskerl, unbestechlich, unbeirrbar. Die Kundschaft ist begeistert. „Unsere Marketingleute werden Sie lieben.“...

28.03.2014

Er lebt im Hier und Jetzt. Er kann Zeit verschenken

Nachruf auf Harald Tolksdorf (Geb. 1954)
In seiner Lieblingsfarbe Orange leuchtet die Trauerkarte, die auf der Beerdigung verteilt wird. Darauf ein Zitat von Dylan Thomas: „Doch es wandelten sich die Wege / und führten meist zu anderen Orten als geplant.“ Halla war kein Lyrikfan, aber das passt. Zwei Freunde spielen auf der Gitarre „Time Is On My Side“ von den Stones. Das war die Lieblingsband von Halla – Harald sagte keiner zu dem Althippie, Wirt und Fußballfan, Raucher, Reisenden und Weintrinker. Halla, so hieß mal ein sehr eigenwilliges...

28.03.2014

Sein Vater tobte. Einen richtigen Beruf sollte er lernen

Nachruf auf Joachim Hübner (Geb. 1945)
Vor Nicole kam Hübi. Vor der hellen Stimme, der Rüschenbluse, dem Vogel, der zu hoch hinauswollte kamen ein Bass, ein rosa Seidentuch, eine Militärjacke und „Das Lied von der Bundeswehr – Rot, Blond und schnuckelig.“ Das Hitparadenpublikum ließ sich an diesem 15. Juni 1981 keinerlei Irritation anmerken. Vielleicht lag es an der eingängigen Melodie, vielleicht am zackigen Rhythmus, jedenfalls klatschten die Leute ausgelassen mit, trotz des Textes, „Tachchen Herr Spieß, ich heiße Hübi und bringe meine...