Nachrufe
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16.05.2014
Jeder hat das Recht auf Kommunikation, auf welchem Weg auch immer
Nachruf auf Hartwig Eisel (Geb. 1947)
Er sprach. Er schrieb. Er las. Er lebte ganz und gar in der Welt der Laute. Er war, von Geburt an, hörbehindert.
16.05.2014
Man wollte ihn zurück nach Israel bringen. Er aber wollte bleiben
Nachruf auf Israel Abraham Pollak (Geb. 1928)
Am frostklaren Abend des 20. Januar 2014 starb Israel Pollak, alt und lebenssatt, in seinem Bett in einem hellen warmen Zimmer eines ihn freundlich umsorgenden Altenheims in Berlin.
16.05.2014
"Wäre ja noch schöner, wenn Sie sich keine Mühe geben würden!"
Nachruf auf Bärbel Rohleder-Telkamp (Geb. 1943)
Als die Prostataoperation drohte, geriet er in Panik. Er schwamm hinaus aufs Meer, drei Stunden hat er sich treiben lassen, er wollte unbedingt untergehen. Erschöpft kehrte er an Land zurück. Sie war stocksauer auf ihn. Im Glienicker See hat er es dann noch mal versucht. „Ich will ertrinken, ich will ertrinken!“ Wieder ist es ihm nicht gelungen.
09.05.2014
Den Kampf gegen die Drogen hatte er selbst geführt
Nachruf auf Achim de Teba (Geb. 1951)
Drogensucht heißt: ohne Stoff nicht leben können. Entzug bedeutet: es trotzdem wollen. Und sich in einem ersten Schritt der Unruhe, den Schweißausbrüchen, dem Zittern, der Angst, dem Brechreiz, den Depressionen, dem Kopfschmerz, der Gier zu stellen. Kalter Entzug bedeutet: die Entzugssymptome werden nicht durch Medikamente gelindert. Umso wichtiger ist es, jemanden zu haben, der einen durch diese schweren Tage begleitet, der einem Halt und Struktur gibt, wo auf einmal alles ins Wanken gerät. Der...
09.05.2014
Als einer ihr mal einen Korb gab, ist er des Lokals verwiesen worden
Nachruf auf Edith Hitz (Geb. 1921)
Sie tanzte so gern. Als sie zu einem geselligen Abend mit Soldaten eingeladen wurde, sagte sie natürlich zu. Das muss Ende der Dreißigerjahre gewesen sein, Edith aus der Stadt Hindenburg in Oberschlesien, Tochter eines Bauern und einer Krankenschwester, war nach Berlin geschickt worden, um die Hauswirtschaft zu erlernen. Beim Tanz kam sie einem der Soldaten näher, sie trafen sich öfter, Edith wurde schwanger, sie heiratete den Soldaten, sie gebar einen Sohn und zwei Jahre darauf eine Tochter. Aber...
09.05.2014
"Eine Trauerfeier findet nicht statt"
Nachruf auf Hans Joachim Martin Rudolph (Geb. 1930)
Und dann, am Ende seines Lebens, als er, der Vielschreiber, seine Todesanzeige verfasste, hat sie ihn noch einmal korrigiert. „Hör mal zu“, hatte er gesagt, wie so oft, und hatte vorgelesen: „Ich, Hans Joachim Martin Rudolph, geboren am 30. Mai 1930, ehemaliger Lehrer an der FHVR Berlin, weder Träger irgendwelcher Verdienstkreuze der Bundesrepublik Deutschland noch anderer erdienter oder verdienter Orden und Ehrenzeichen, bin am ... gestorben. Eine Trauerfeier findet nicht statt, da der Tod für...
02.05.2014
Er sitzt mit der Bibel in der U-Bahn, die Blicke der Leute sprechen Bände
Nachruf auf Hans-Joachim Klotz (Geb. 1949)
Kein Kind muss am Religionsunterricht teilnehmen. Deshalb stehen die Lehrer in Berlin meist vor wenigen Schülern.
02.05.2014
Er war nicht der Feurigste, aber der Eifrigste, wenn etwas herzurichten war
Nachruf auf Eckehard F. H. Willems (Geb. 1942)
Die Damen, die sich versammelt hatten, dieses Mannes zu gedenken, waren sich einig: Herr Willems war der Beste. Er hatte einfach alles, was ein Mann braucht: eine Werkbank, eine Leiter, Transportrollen zum Bewegen schwerer Dinge, und diverse Depots, in denen er Materialien der unterschiedlichsten Art hortete, so dass im Ernstfall immer etwas zur Hand war.
02.05.2014
Seine schrägen Modelle fügen sich in Kreuzberger Gesichter
Nachruf auf Tanos Haddad (Geb. 1953)
Vier Stunden sitzt er schon da und starrt ein Stück blaues Plastik an. Er trinkt einen Schluck Kaffee, raucht langsam eine Zigarette, kneift die Augen zusammen. Das Telefon klingelt, er hört es nicht, auch nicht, wenn jemand den Raum betritt. Er legt eine schwarze Plastikfolie über die blaue, hält sie ins Licht, legt den Kopf schräg, streicht sich über die Glatze. Dann schneidet er mit einer Schere den Kunststoff zurecht. Noch einen Kaffee, noch eine Zigarette, noch ein Schnitt. Stille.
25.04.2014
Im Berliner Narrenkäfig wirkt der Bayer wie ein exotischer Vogel
Nachruf auf Georg Zinner (Geb. 1948)
Am Tag seines plötzlichen Todes lag ein Buch auf seinem Schreibtisch, „Das Ende der Ego-Gesellschaft“, der etwas aufgeblasene Titel, „Wie die Engagierten unser Land retten“.