Nachrufe
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20.06.2014
Als ihn die NVA in ihre Reihen rief, nahm er den Wehrpass nicht entgegen
Nachruf auf Christian Richter (Geb. 1935)
Er gähnte nicht. Guckte nicht unauffällig auf die Uhr, darauf wartend, sein Vater möge mit seinen alten Geschichten zu einem Ende kommen.
13.06.2014
Im Exil legten sie und ihr Mann den alten Namen ab: "Deutsch"
Nachruf auf Hilde Singer (Geb. 1911)
Jahrzehntelang hatte sie kein Deutsch gesprochen. Bis sie bei einem Vortrag in New York Daniela kennenlernte. „Darf ich Sie einmal besuchen kommen?“, hatte die Berlinerin sie nach kurzem Wortwechsel gefragt. Wenig später saßen die beiden in Hilde Singers Apartment, blickten durchs Fenster auf den Hudson River, und begannen zu reden. 102 Jahre alt war Hilde Singer, als sie der Sprache ihrer Kindheit erlaubte, zurückzukehren. Von da an kam Daniela jeden Montag. Dann lasen sie Bücher und sangen Lieder:...
13.06.2014
Als es um die dreißiger Jahre ging, rief sie: "Schluss! Genug! Nichts davon!"
Nachruf auf Elisabeth Frenzel (Geb. 1915)
Die Trauergemeinde war klein, zehn, fünfzehn Menschen saßen in den Reihen der Alten Dorfkirche zu Lichtenrade. Es erklang eine getragene Melodie von der Orgel, dazu sprach die Pfarrerin die Verse eines Adventsliedes. „Dem alle Engel dienen, / wird nun ein Kind und Knecht. Gott selber ist erschienen zur Sühne für sein Recht. / Wer schuldig ist auf Erden, / verhüll nicht mehr sein Haupt. Er soll gerettet werden, / wenn er dem Kinde glaubt.“...
06.06.2014
"Mit 15 hat sie sich bereits entschieden, als Ordensfrau zu leben hienieden"
Nachruf auf Cäcilia Agnes Höflich (Geb. 1913)
Das Zimmer ist winzig. Ein Bett, ein Tisch, ein Stuhl passen hinein. Schwester Feodora sitzt an dem Tisch und schreibt: „Meine neunte Klasse, ich habe sie sehr bald lieb gewonnen.“ Sie steht auf, tritt ans Fenster und schaut hinaus auf den Hof der St. Marienschule. Es ist Abend, die Mädchen sind längst nach Hause gegangen. Aber am Tag stehen sie dort in der Pause, essen ihre Butterbrote und schwatzen. Sie sind keine Kinder mehr, denkt Schwester Feodora, setzt sich wieder an den Tisch und schreibt...
06.06.2014
"Fame" hieß er, war Rockstar und jede Menge Mädchenherzen flogen ihm zu
Nachruf auf Michael Günther (Geb. 1950)
Seinen Vater hat er nie kennengelernt, mit seiner Mutter verstand er sich nicht. Also zog er früh aus, weg aus dem Spandauer Hochhausghetto, in eine Wohngemeinschaft in Westend. Da ging er noch aufs Gymnasium und spielte Bass in einer Band, The Ugly Things, Rhythm ’n’ Blues, hart und ruppig. Dabei war er ein weicher und freundlicher, hübscher Junge. Mit langen Haaren allerdings, die Mitte der Sechziger noch schwere Aggressionen auslösten bei „diesen ganzen Spießern“, wie er sie nannte, und für die...
30.05.2014
Er fuhr die Söhne auf dem Fahrrad durch Berlin und erzählte Helden- geschichten
Nachruf auf Harald Pfeffer (Geb. 1952)
Bullen heißen Bullen, auf keinen Fall Polizisten, aber auch nicht Bullenschweine. Das war klar, bei Harald Peffer. Das lernten auch seine Söhne.
30.05.2014
Der kürzeste Weg von A nach B: Was man da alles verpasst im Leben
Nachruf auf Valerian Arsène Verny (Geb. 1994)
Nichts aufsparen, jetzt ist das Leben! Morgen ist sowieso alles anders, und Vernunft ist was für die Vernünftigen. Sollen die sich über Bausparverträge und Versicherungspolicen beugen, während hinter ihnen die Sonne den Himmel rot anmalt.
23.05.2014
Von Vampiren keine Rede. Sein Spezialgebiet: die Chiropterologie
Nachruf auf Joachim Haensel (Geb. 1938)
Er war der „Nestor unter den Beringern“, so würdigt ihn die Publikation „Nachtschwärmer“ des Brandenburgischen Ministeriums für Umweltschutz. In der Festschrift zum 40. Jubiläum der „Fledermausmarkierungszentrale Dresden“ werden 44 Artikel von Joachim Haensel zitiert. Er forschte in Kavernen, Gewölben und am Schreibtisch. Und er selbst? Wie sah er sein Verhältnis zu den Nachtjägern, die der Aberglaube zu Vampiren und okkulten Dämonen erklärte? Darüber schrieb er kein Wort. Als Naturwissenschaftler,...
23.05.2014
Gott braucht ihn nicht in Indien. Gott braucht ihn in Kreuzberg
Nachruf auf Franz Keller (Geb. 1925)
In den 1920er und 30er Jahren zieht es viele Schweizer in die Ferne, selten allerdings aus romantischen Motiven. Sie suchen Arbeit. Ein älterer Bruder von Franz Keller wandert nach Chile aus, ein zweiter fährt nach Afrika. Franz Keller will nach Indien, als Missionar. Weil er dort außerdem Schulen bauen möchte, studiert er Architektur. Und weil er weiß, dass die Jesuiten ihre Missionare nach Indien schicken, bewirbt er sich um die Aufnahme in den Orden. Die Exerzitien, die er als Novize zu absolvieren...
23.05.2014
Dann fand er diesen Brief aus Schweden: "Ich weiß, dass es Dich gibt"
Nachruf auf Ronald Urbaschek (Geb. 1943)
Bis heute weiß niemand, wer diesen Brief geschrieben hat. Er lag eines Tages im Postkasten, adressiert an seine Tochter, in Schweden. Jemand hatte Buchstaben aus einer Zeitung ausgeschnitten und zu einem einzigen Satz zusammengefügt: „Frag mal deine Eltern, wer dein richtiger Vater ist.“...