Nachrufe
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15.08.2014
Die Utopie wird Wirklichkeit mittels des Baurechts
Nachruf auf Heinrich Burchard (Geb. 1951)
Glaubt man Thomas Manns Geschichte der Buddenbrooks, dann hat jede Familie nur ein gewisses Quantum Glück, das sich irgendwann im Laufe der Generationen erschöpft.
15.08.2014
Irgendwann sagte Beckett zu ihm: "Ich heiße Sam"
Nachruf auf Klaus Herm (Geb. 1925)
Der Bahnhof hat ihn gerettet. Als er mit seiner Cousine einmal auf einem Spaziergang im Frankfurter Stadtwald unterwegs ist, springen zwei Männer aus dem Gebüsch, um sie zu überfallen. Und das Einzige, was ihm in diesem Moment einfällt, ist diese harmlose Frage: „Entschuldigung, wo bitte geht’s denn zum Bahnhof?“ Völlig perplex zeigen die beiden Wegelagerer ihnen den Weg dorthin.
08.08.2014
Der Aufbau hört nie auf. Er füllt das Leben und gibt Sinn
Nachruf auf Siegfried Kude (Geb. 1915)
Siegfried Kude klopft an der Haustür. Nervös ist er. Auf diesen Moment hat er eine kalte Ewigkeit gewartet. Aber warum macht keiner auf? Er hatte doch geschrieben, dass er aus der Gefangenschaft entlassen wird. Da hört er Schritte. Endlich. Gleich wird er Hanna, seine Frau, wiedersehen.
08.08.2014
Er war "Käptn Suurbier". Sein Verhalten verbuchte man unter "Punk"
Nachruf auf Michael Wahler (Geb. 1962)
Fußball oder Rock ’n’ Roll – Romantiker einer bestimmten Sorte halten das für die einzigen Wege, um rauszukommen aus Enge und Beklemmung. Michael Wahler war so einer. Frust und Ängste muss man wegballern, fand er.
01.08.2014
Ein Statist der Deutschen Oper: ganz nah dran an der großen Kunst
Nachruf auf Joachim Fischer (Geb. 1935)
Lohengrin, zweiter Akt, der Hochzeitsmarsch. Elsa und der Brautzug schreiten aufs Münster zu, der Bischof tritt heraus. Er singt nicht, muss nur entsetzt schauen, als Ortrud hereinstürzt und die Zeremonie stört. Wie das Statisten eben machen: da sein, ohne selbst in der ersten Reihe zu stehen. Damit die Sänger umso stärker leuchten.
01.08.2014
Man operierte nicht am Herzen. Sie blieb, wie sie war
Nachruf auf Anke Schmidt (Geb. 1963)
Manchmal erhielten die Eltern Briefe. Große, zittrig gemalte Buchstaben reihten sich darin aneinander. Der Sorgfalt, mit denen die Kurven und Striche gezeichnet waren, lasen sie ab, dass ihnen Wichtiges mitgeteilt werden sollte. Aber was? Die Buchstaben schienen beliebig aneinander gesetzt, sie ergaben keinen Sinn.
25.07.2014
Selbst die Nummern aus dem Telefonbuch hätte er schön singen können
Nachruf auf Thorsten Oliver Huth (Geb. 1961)
Seinem Vater war oft kalt. „Mach mal das Fenster wieder zu“, sagte er zu Thorsten, „gefroren hab’ ich genug.“ Jahre hatte er in der Kriegsgefangenschaft verbracht, Nächte auf nackten Holzfußböden im grauen, fadenscheinigen Soldatenmantel.
25.07.2014
Dann tanzen sie. Die Nacht gehört ihnen
Nachruf auf Elli Nestler (Geb. 1939)
Da steht sie, das Mädchen vom Dorf, mitten auf der Tanzfläche des „Ballhauses Resi“ in der Neuköllner Hasenheide. Das Orchester spielt, dass einem ganz schwindelig wird, und die Männer fordern sie immer wieder zum Tanz. Sie ist 21, kurzes blondes Haar, hübsches Gesicht und ein helles Lachen, das den wilden Trubel übertönt. Das Petticoat-Kleid betont ihre schlanke Taille und lässt die freien Beine ihre magnetische Wirkung entfalten. Die Wasserfontänen, die Musik: Es könnte die Kulisse zu einem Liebesfilm...
25.07.2014
"Die Aggression ist die Mutter aller Verbrechen"
Nachruf auf Hans-Peter Kaul (Geb. 1943)
Ohne ihn, sagen viele, hätte es den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag nie gegeben. Zwölf Jahre alt ist das Gericht in diesem Sommer geworden, Hans-Peter Kaul war von Anfang an dort Richter.
18.07.2014
Wie radikal er war, merkte man oft erst, wenn er ging
Nachruf auf Hans Gross (Geb. 1933)
Von seinen vielen Reisen hatte er nur wenige Bilder in der Schublade, die wesentlichen Erinnerungen behielt er im Kopf und im Herzen. Man musste ihn nur antippen und er breitete seine Geschichten und Anekdoten gerne aus. Den Globus hat er mehrfach umrundet, vor allem zur See.