Nachrufe
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17.10.2014
Sie liebte das Bunte, sie war mittendrin, sie war die ideale Zuschauerin
Nachruf auf Lydia Zeller (Geb. 1921)
Die West-Berlinerin ist eine Frau, die alles übersteht, den eigenen Tod ausgenommen. Als damals die ersten Bomben auf Berlin fielen, wurde Lydia ins sichere Dresden geschickt. Sie überlebte den großen Brand, aber gesprochen hat sie nie davon. Der Vater war ein großer Mann in der Fleischerinnung und ein überzeugter SPD-Mann, was das Überleben nicht so leicht machte. Vater und Mutter legten Wert auf gute Erziehung und auf ein ordentliches Erscheinungsbild. Die Mutter nähte ihre Kleider selbst, trug...
17.10.2014
Wenn er etwas tun muss, dann tut er’s nicht
Nachruf auf Eugen Gint (Geb. 1981)
Eugen steht groß und weiß auf seinem Lederjackenärmel, denn das ist der Eugen für uns alle, ein öffentlicher Mensch, den jeder duzt. Abgerissen steht er an der Ecke Schönhauser Allee, Danziger Straße mit einem Becher in der Hand, in dem ein paar Centstücke liegen. Die einen starren ihn an, die anderen blicken angestrengt in eine andere Richtung, aber jeder denkt sich seins.
10.10.2014
"Fühlst du keine Einsamkeit?" "Nein. Das Schloss ist mein Paradies"
Nachruf auf Jutta Wittke (Geb. 1955)
Jörn hatte nicht weit von der Haustür geparkt. Sie kamen von einer Reise und hatten einiges zu tragen. Als Jutta ausstieg, landete sie mit den Füßen in einer Riesenpfütze. Jörn musste das doch gesehen haben! Wütend trug sie mit ihm das Gepäck nach oben. Dann verließ sie türenknallend die Wohnung. Drei Stunden dauerte es, bis die Wut verraucht war. Das war im Jahr 1982. Es war der einzige Streit, den sie in 42 gemeinsamen Jahren hatten.
10.10.2014
Die Band: die "Trümmertruppe", denn alle vier Musiker waren krank
Nachruf auf Reno Sprockhoff (Geb. 1962)
Es würde nicht mehr lange hin sein. Alle wussten das. Um Weihnachten vielleicht.
10.10.2014
Jetzt ist Schluss hieß: Jetzt geht’s los
Nachruf auf Hannelore Wüst (Geb. 1927)
Da bleibt den Caballeros die Spucke weg, wenn sie stolze Männer einfängt und zu Haus’ durch die Rolle dreht“, rühmte seinerzeit die Presse bei ihren Liederabenden. „Liebesperlen der Kleinkunst“, dargereicht in dieser unnachahmlichen Mixtur von „spanischem Temperament, Berliner Schnauze und französischem Esprit“, die das Publikum zu Beifallsstürmen hinriss. So war es ihr Leben lang, man konnte gar nicht anders: Wer sie erlebte, musste dem Schicksal applaudieren.
26.09.2014
Seine Verträge galten nur für einzelne Legislatur- perioden
Nachruf auf Sönke Reyels (Geb. 1971)
Endlich ging es wieder aufwärts. Erneut war er im Büro einer Bundestagsabgeordneten der SPD untergekommen. Er hoffte auf eine unbefristete Stelle, die genau zu ihm passte: Vermittlung zwischen Kultur und Politik. Vorbei war die schwierige Zeit seit 2010, als sich keine Tür öffnen ließ – weder im Willy-Brandt-Haus noch bei der Fraktion, auch nicht beim ehemaligen Kulturstaatssekretär, dem er als persönlicher Referent zur Seite gestanden hatte. Als hätte sich etwas gegen ihn verschworen, so waren...
26.09.2014
Ihr Reich war die Straße. Dort war sie immer die Queen
Nachruf auf Kathi Brehmer (Geb. 1965)
Bei Hitze schwellen ihre Beine an, die Haut unter den dicken Verbänden juckt in der Sonne. In eisigen Wintern zieht sie sich an der Krücke vorwärts. Manchmal platzt der Beutel des Katheters, den sie in ihrer Handtasche versteckt. Dann ergießt sich Urin auf die Jebensstraße hinterm Bahnhof Zoo.
26.09.2014
Sie lernte beizeiten, allein fertig zu werden. Sie kannte es nicht anders
Nachruf auf Ursula Spanehl (Geb. 1922)
Halb fünf. Der Wecker klingelt. Es geht los. Raus aus dem Bett, runter ins Parterre, in die Druckerei, Maschinen an, die Aufträge für den Tag auf dem Schreibtisch zurechtlegen, Termine durchsehen, neue Termine eintragen, eine Tasse Kaffee trinken, Zahlen addieren, Rechnungen überprüfen, auf die Uhr schauen: halb sieben.
19.09.2014
Dennoch blieb er sich sicher: "Ich kenn die Menschen!"
Nachruf auf Wolfgang Dieter Bolz (Geb. 1941)
Er hätte nach Hause gekonnt, der Rollator stand bereit, das Badezimmer war umgebaut, die Pflege organisiert. Aber er hätte nicht mehr allein auf den Ku’damm gehen können, in die Kneipen, hinein ins Leben. Er war mal ein Kiezkönig, der Tresen sein Reich, die Leute um sich sein Hofstaat. Kam ein Neuer herein, sprach er ihn an, nahm ihn in die Runde auf.
19.09.2014
Sie hingegen zog ganz einfach ihre Zimmertür zu
Nachruf auf Barbara Engelberg (Geb. 1942)
So viele Fragen sind offen, und niemand, der sie beantworten könnte. Doch es war ja zu Lebzeiten nie anders.