Nachrufe
Es wurden 1104 Nachrufe gefunden
12.09.2014
"Gott spielt mit mir, damit er gut unterhalten wird"
Nachruf auf Christian Radeke (Geb. 1978)
Er hat das grüne Licht Gottes gesehen. Damals, bei seinem ersten LSD-Trip am Rostocker Strand. Erzählt Christian Radeke im Bierkeller eines Marzahner Studentenwohnheims. Er hat schon ein paar Dinge erlebt, er will noch mehr erleben.
12.09.2014
Nicht das Weltgeschehen, aber sich selbst kann man erfinden
Nachruf auf Inge Dreyer (Geb. 1933)
Wovon hängt es ab, ob sich ein Mensch wahrhaft entpuppen kann? Nicht zuletzt von Zufällen. Wenn zum Beispiel die Schule von Inge Dreyer nicht gebrannt hätte, dann wäre sie womöglich für viele weitere Jahre Lehrerin für Deutsch und Geografie geblieben. Sie war es ja gern, von den Schülern geliebt und von den Kollegen angesehen. Mit 37 wurde sie zur Schuldirektorin befördert. Über „Berlins jüngste Direktorin“ berichteten im Jahr 1970 die Zeitungen.
05.09.2014
Sie verschwieg, wenn sie jemanden kennen lernte, was sie machte
Nachruf auf Elke Hupe (Geb. 1956)
Der Museumsaufseher hat die ideale Beobachtungsposition. Er steht in einer Ecke des Museumssaals und kann ungestört jeden Besucher in Augenschein nehmen. Denn er wird selbst nicht beobachtet. Während er die Kunstwerke hütet, wird er zu einem Teil der ausgestellten Stücke. Er sieht die Schulklassen, die ihre Pflichtbesuche absolvieren, die Kenner, die alles schon wissen, bevor sie das Museum betreten haben, die Gelangweilten, die Genauen, die ihren Kopf die ganze Zeit in den Katalog stecken, und...
05.09.2014
Beruflich hatte er Glück: Er kam in die Abteilung Brandschutz
Nachruf auf Willi Menning (Geb. 1913)
Am 29. März 2014 gegen elf kam die Feuerwehr mit dröhnender Sirene in die kleine Dingelstädter Straße in Hohenschönhausen. Zwei LHF – kein Mann von der „Wehr“ würde „Lösch-Hilfeleistungsfahrzeug“ sagen und „Feuerwehrauto“ schon gar nicht – zwei LHF also fuhren im Schritttempo an den niedrigen Häusern vorbei, vorneweg marschierten zwölf Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr im nicht ganz gleichen Schritt, dafür in Uniform. Einer trug die Ehrenfahne, einer rief, als sie vorm Haus von Willi Menning...
05.09.2014
Mit Vorliebe vermaß er die künstlerischen Spannweiten schräger Vögel
Nachruf auf Peter Lang (Geb. 1958)
Da sitzt er auf der roten Couch, sehr lebendig, wiewohl mit schütterem Haar, und redet über die „ungarische Methode“. Über was? Googeln Sie das Video bitte selbst. Dann werden Sie zustimmen: Ganz schrecklich das Hemd! Überhaupt – was für ein, diskret gesprochen, unauffälliger Mann! Aber was für eine interessante Art, die Dinge zu sehen. Und diese listig lächelnden Augen!...
29.08.2014
Und der Fischer? Er besitzt nicht viel und ist doch froh
Nachruf auf Thomas Koch (Geb. 1952)
Fischerhütten sind klein. Sie liegen meist am Wasser, und ihre Ausstattung kommt aus ohne viel Brimborium. Auch diese „Cabane du pêcheur“ ist nicht groß, aber sie liegt inmitten der Stadt, am Humboldthafen und ist ein Bistro. Sie besteht aus zwei Containern, aneinandergestellt, schmucklos, praktisch.
29.08.2014
Weil sowieso immer alles anders kommt
Nachruf auf Christoph Janz (Geb. 1961)
Sarah klagt, dass...
22.08.2014
Boheme macht in der Provinz einfach keinen Spaß
Nachruf auf Doris von Jankó (Geb. 1933)
Als sie mit 78 Jahren von einem ihrer sehr seltenen Arztbesuche nach Hause kommt, greift sie empört zum Telefonhörer. Mit bebender Stimme berichtet sie ihrer Tochter: „Stell dir vor, was der zu mir gesagt hat. Sie haben wohl leider Krebs. Lungenkrebs. Warum erzählt der mir denn so was? Mir! Ja, glauben Sie, das interessiert mich?‚ hab’ ich ihn gefragt.“...
22.08.2014
Es wäre ihr auch nie eingefallen, in den Osten überzusiedeln
Nachruf auf Bé Ruys (Geb. 1917)
Nach diesem Krieg wird sich alles ändern. Nach so viel Hass und Gewalt, nach Auschwitz. Da kann die Welt nicht bleiben, wie sie war und die Kirchen auch nicht mit ihrem unsinnigen Streit um den wahren Glauben.
15.08.2014
Sie sprach dann nicht mehr von Wien, eine Weile lang
Nachruf auf Lotte Reitel (Geb. 1925)
Es gab Kaffee, zu Hause zum Frühstück oder aus einer Thermoskanne am Rand der Landstraße auf dem Weg ins Erzgebirge oder bei der Tochter, die ihn türkisch aufbrühte. Und es gab „eine schöne Tasse Kaffee“. Für eine schöne Tasse Kaffee kam nur der Nachmittag infrage, wenn der Tag noch nicht zu Ende gegangen, der Abend aber schon zu spüren war. Eine Viertelstunde vor vier nahm Lotte die Kanne mit dem Weinblattdekor aus der Anrichte, setzte den Porzellanfilter ein, füllte das Kaffeepulver hinein und...