Nachrufe
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03.07.2015
"Chaoten-Oma" nannte man sie. Dabei war sie das Anti- Konflikt-Team
Nachruf auf Eva-Maria Scharlippe (Geb. 1937)
Alles so schön bunt hier: Die Röcke der Mädchen, die Luftballons, die Scheinwerfer auf den Bühnen, die Stände vor den Kneipen, der Müll auf den Wiesen. Und so friedlich. Die paar Steine und Flaschen in der Luft gehören zur Folklore. Die Leute laufen rum und tanzen und essen. „Keine Revolution auf nüchternen Magen“ steht an einem Imbiss. Das Konzept der Berliner Polizei nennt sich „AHA“: Aufmerksamkeit, Hilfe, Appell, die Anti-Konflikt-Teams entspannen aufkeimende Konfrontationen. Der 1. Mai 2015...
03.07.2015
Das Landesamt zur Regelung offener Vermögensfragen lässt ihn warten
Nachruf auf Eberhard Specht (Geb. 1915)
Es gab einmal ein Schloss in Dolgenbrodt, 20 Kilometer südöstlich von Berlin. Die Dorfbewohner nannten jedenfalls das Gutshaus „Schloss“. Heinrich Specht, der Vater von Eberhard Specht, ein Holzhändler aus Westfalen, hatte es zusammen mit 300 Hektar Land in den zwanziger Jahren erworben.
26.06.2015
"Wenn ich sie beeindrucken will, muss ich Geld verdienen"
Nachruf auf Klaus-Dieter Wischer (Geb. 1934)
Der Name reicht: „Bazooka“. Augenblicklich gelangt Dietas Erinnerung des zuckrigen Geschmacks an die Oberfläche ihres Bewusstseins. Rosaroter amerikanischer Bubblegum. Der Geruch war damals aus dem Souterrain, aus Dutzenden Kartons, hinauf in alle Etagen des Hauses gezogen.
26.06.2015
Wer nicht promoviert ist, darf bei ihm keine Kisten schleppen
Nachruf auf Till Wilsdorf (Geb. 1940)
Drei Dinge legen ihm die Freunde ins Grab: ein Buch, weil er so gerne las, seinen schwarzen Borsalino, weil er den Hut höchst selten abnahm, und einen Plüschpinguin, weil er in ihm ein Symbol sah für das Angezogensein.
26.06.2015
Das Ehebett hat sie mitgenommen in ihre Hütte in der Wildnis
Nachruf auf Gisela Römer (Geb. 1938)
Ihr Lieblingsspiel als Kind war „Flucht“. Das hat sie oft erzählt. Als immer mehr Bomben Berlin in Schutt legten und die Kinder verschickt wurden, hatte Gisela Glück. Ihre ganze Familie kam im Sudetenland unter. Die Nächte im Keller hat sie nie vergessen, das Heulen der Sirenen. Ende ’44 wurde ihr Vater noch zum Volkssturm eingezogen, Mutter und Tochter machten sich allein auf den Weg zurück nach Berlin.
19.06.2015
Sie wollten keine Rache. Nur das, was ihnen zustand. Er half ihnen dabei
Nachruf auf Dietrich Jacob (Geb. 1922)
Es waren nicht „die Juden“, die von den Nazis aus Berlin vertrieben wurden, es waren die Nachbarn. Es war der Kinderarzt, von nebenan, dem man jahrelang vertraut hatte; der Ladeninhaber, der Anwalt und Notar, die Weißwarenhändlerin, bei der die Mutter auch nach dem befohlenen Boykott noch kaufte.
19.06.2015
Ging es um 1,30 Euro, oder ging es um eine streikwillige Angestellte?
Nachruf auf Barbara Emme (Geb. 1958)
Im Frühjahr 2009 reiste Barbara Emme, die in ihrem Leben nicht viel herumgekommen war, nach Frankreich. Sie lief durch die Straßen von Paris und staunte. Als sie an einer Galerie vorbeikam und ein Bild mit einem merkwürdigen Slogan im Schaufenster sah, staunte sie erst recht. „Libérez les caissières“, „Befreit die Kassiererinnen“. Wie stand es um die Kassiererinnen in Frankreich, wollte sie wissen, denn sie war eine Kassiererin aus Deutschland. Sie selbst hatte keine guten Erfahrungen gemacht, aber...
12.06.2015
Spannend war es dort, und das allein zählte für ihn
Nachruf auf Wolfgang Kramer (Geb. 1956)
Laptop und Smartphone brauchte er nicht, Stift und Telefon genügten. Hinzu kamen ein gutes Auge und ein enormes Gedächtnis. Was er einmal las oder sah, das vergaß er nicht. Zu seiner Verwunderung ging es anderen Menschen nicht so.
12.06.2015
In Namibia repariert er das Auto mit einer Wäscheklammer
Nachruf auf Alfred Peter Heger (Geb. 1947)
Es gibt nicht viel, das eigener ist als der Name, den die Eltern für ihr Kind ausgewählt haben. Der im Pass verzeichnet ist. Auf den der Pfarrer das Kind getauft hat.
12.06.2015
"Wenn ich nicht mehr bin, pass gut auf meine Kinder auf!"
Nachruf auf Esther Ulm (Geb. 1968)
An ihrem 18. Geburtstag hat sie genug. Es bricht aus ihr heraus, angestaut und in drei Worte gepresst: „Ich ziehe aus.“ Zwei Wochen später macht sie die Haustür zu, geht die Treppe runter, lässt alles zurück. Den Stiefvater, der meckert und schimpft. Den Halbbruder, um den sie sich immer kümmern muss. Ihre Mutter, die sie nie verteidigt hatte. Esther Ulm will den Neustart, einfach los und alles anders machen.