Nachrufe
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04.12.2015
Folglich sprach er jeden an: „Spielen Sie Schach?“
Nachruf auf Alfred Seppelt (Geb. 1929)
Allein ist man selten ein ganzer Mensch. Das wusste Alfred Seppelt nur zu gut, auch wenn er nie ein Wort darüber verlor.
04.12.2015
Es rettete ihn das Amt mit seinen vielen Sach- bearbeiterinnen
Nachruf auf Burkhard Strauß (Geb. 1954)
Burkhard war Einzelkind, der Vater fast immer auf Montage in Westdeutschland oder weit entfernten Ländern wie Montenegro oder Chile.
04.12.2015
Ein Konservativer. Aber eine Festanstellung? Unvorstellbar!
Nachruf auf Karl-Heinz Grundmann (Geb. 1941)
Vor zehn beginnt er seinen Tag nie, wenngleich er ihn gründlich nutzt. Denn ab zehn ist jede Stunde streng strukturiert. Er steht auf, kocht sich einen Kaffee, macht sich fertig, es ist um zwölf. Er läuft los, nimmt den gewohnten Weg von Charlottenburg in Richtung Gendarmenmarkt bis zum Deutschen Dom. Das Haus hat längst geöffnet, eine Besuchergruppe steht bereit, sich von einem Fachmann durch die Ausstellung „Wege-Irrwege-Umwege. Entwicklung der parlamentarischen Demokratie in Deutschland“ führen...
27.11.2015
Wie kann ein Glückskind nur so viel Pech haben
Nachruf auf Hans-Jürgen Schodder (Geb. 1951)
Klingt nach einer richtigen Geschichte: Einer, der bei jeder Gelegenheit hinaus aufs Tempelhofer Feld fährt mit dem Rad. Runden im Wind, Himmel über Beton. Freiheit in der Stadt. Und der dann ausgerechnet Opfer dieser Freiheit wird.
20.11.2015
Sie kennt sich in Sachen Tragik auch ganz gut aus
Nachruf auf Tana Herzberg (Geb. 1932)
Mit Disziplin gelangte sie auf die Bühne und wurde umjubelt. Mit Disziplin zerstörte sie ihren Körper. Diszipliniert wurde sie Kulturbürgerin. Mit letzter, härtester Disziplin verließ sie diese Welt, in der, da war sie sich sicher, das Wesentliche niemandem geschenkt wird.
20.11.2015
Das einzige Risiko des Kunstsammlers: der eigene Geschmack
Nachruf auf Florian Karsch (Geb. 1925)
Die Geschichte seines Lebens erzählt sich am schönsten in Bildern.
13.11.2015
Er baut Bilder. Immerhin ist er Bauingenieur
Nachruf auf Manfred Pietsch (Geb. 1936)
Kreativität. Der Ruf nach ihr mag hilfreich sein, von Zeit zu Zeit. Aber muss das Wort immerfort in die Welt posaunt werden, so gespreizt, als sei das Können in der Kunst nur Nebensache? Manfred Pietsch bezweifelt das. Kunstproduktion, sagt er, ist disziplinierte Arbeit, ist Handwerk und Übung.
13.11.2015
Sie fühlten sich unschlagbar. Ein Schatten auf einem Bild, na und?
Nachruf auf Carsten Schaffer (Geb. 1977)
So Jungs, ihr müsst buchen, ich hab mich in ein Pokerturnier eingekauft.“ Das war eine dieser Ansagen, mit denen er seine Clique aufgemischt hat. 20 Leute etwa, anfangs Jungs, später wurden Männer draus, und sechs oder sieben fanden sich immer, die Zeit, Geld und den nötigen Nerv hatten, um mitzumachen, wenn Calle eine Idee hatte.
06.11.2015
Kein Adonis, aber ein Draufgänger. Auch geschäftlich
Nachruf auf Peter John (Geb. 1939)
Was macht aus einem kleinen Geschäft ein gutes Geschäft? Der Besitzer muss drin leben, muss sein Sortiment kennen, ständig nach Neuem suchen und es seinen Kunden enthusiastisch anpreisen. Gerade im Lebensmittelhandel macht das den entscheidenden Unterschied und lockt Kenner von weither an, vorbei an Dutzenden von Supermärkten. So war es in Frohnau: „Feinkost-John“ am Zeltinger Platz war ein Treffpunkt für alle, die vom Essen mehr als nur Sättigung erwarten.
06.11.2015
Auch ein Lebenssinn: Tue das Gegenteil von dem, was dir gesagt wird
Nachruf auf Heiko Gliesche-Neumann (Geb. 1942)
Ein bisschen Krull, ein wenig Schwejk, vor allem eine Menge Gliesche. Zwar hört er nicht das erlösende Wort: „ausgemustert“, zwar muss er nicht an die Front. Aber auch er gibt den Possenreißer, den Narren: ein kindlicher David, der den lächerlichen Goliath foppt, ein Komödiant, der die Welt als Komödie nimmt.