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01.04.2016
Abgesichert, unterfordert bekam er wenig mit von der Welt da draußen
Nachruf auf Gerhard Weiland (Geb. 1949)
Erinnerungen an die Kindheit und Jugend hat Gerhard Weiland stichwortartig festgehalten: „kahler, halbdunkler Raum, quietschendes Bettgestell, eingeklemmter Finger, Verlassensein, Schreien, Angst, Wimmern. Später: kratzende Unterwäsche, piekende Pullover, schwere Schnürstiefel mit Fußeinlagen aus scharfkantigem, lederbezogenen Metall.“...
01.04.2016
Sie glaubte fest daran: „Nichts ist so, wie es erscheint“
Nachruf auf Isabella Tsigarida (Geb. 1970)
Im Internet ist ein einziges Foto von Isabella Tsigarida zu finden. Es zeigt sie als Nonne, aufgenommen bei der Aufführung von „The Sound of Music“ in der Schweiz. Isabella Tsigarida spielte darin die verknöcherte Ordensschwester Bertha. Eine Rolle, die ihr selbst so gar nicht entsprach.
01.04.2016
Sie reiste gern in die Sonne, denn gefroren hatte sie genug im Leben
Nachruf auf Eva Deiner (Geb. 1927)
Kaisers war ihr Leben. Ihr Obststand war der schönste in Moabit, ach was, in ganz Berlin. Als sie längst im Ruhestand war, machte sie immer noch regelmäßig Inspektionsgänge zu den Läden ringsum, und was sie da sah, gefiel ihr oft gar nicht. Der Obststand ist nun mal das Aushängeschild eines Lebensmittelmarktes, und der hat sowohl appetitlich als auch schön zu sein. Ist das streng? Nein, akkurat! Das hat nichts mit Pedanterie zu tun.
18.03.2016
Dieses Lachen, laut und ungestüm. Trotz allem, was sie auszuhalten hatte
Nachruf auf Barbara Kasper (Geb. 1935)
Ein 1. April, der Tag, an dem Barbara ihre Ausbildung zur Verwaltungswirtin beginnt. Sie hat sich am Morgen, zusammen mit anderen Debütanten, in der Berliner Arbeitsverwaltung einzufinden. Ein paar einleitende Worte des Präsidenten, nichts Großes. Aber der Präsident hat sich verspätet. Die Neuen sitzen da und gucken stumm in die Gegend. Ein junger Mann wartet ebenfalls, er durfte die Anfänger in Empfang nehmen, doch jetzt kann er auch nichts anderes tun als sich gedulden. Füße scharren, jemand hüstelt.
18.03.2016
Nürnbergs zweitgrößter Sohn: ein echter West-Berliner
Nachruf auf Peter Bobo Freitag (Geb. 1945)
Vor acht Jahren dachte sich Berlin eine Berlin-Kam- pagne aus. Der Slogan, der die Welt an der hauptstädtischen Selbstgenügsamkeit teilhaben ließ, lautete: „Be Berlin“. Ein „Icke“ hätte es vielleicht auch getan.
04.03.2016
Probleme? Lauf mal auf Stöckelschuhen über Kopfsteinpflaster!
Nachruf auf Heinz Röhrig (Geb. 1926)
Wer braucht New York zum Glücklichsein? Heinz bestimmt nicht. Aber es hat sich schön gefügt, dass er im hohen Alter doch mal dort war, wie auch in Paris und London. In New York entstand dieses Foto: Ein kultiviert lächelnder Herr von 84, den man auf höchstens 70 schätzen würde, mit vollem, geföhntem Haar, die Füße apart gekreuzt in bequemen Slippern, sitzt am Rand eines Brunnens und hält auf seinem Schoß die Einkaufstüte mit dem Foto eines gut gebauten Unterwäsche-Models, männlich selbstverständlich.
04.03.2016
„Der Uwe mit den appen Beenen“. Zu dem muss keiner raufschauen
Nachruf auf Uwe Wulsche (Geb. 1954)
Uwe ist 25, als sich alles verändert. Er geht ins Bett, spricht noch ein Gebet, dann schläft er ein. Am nächsten Morgen spürt er, dass er nichts mehr spürt. Bis zur Brust hinauf. Rein gar nichts. Wenn Uwe seinem Gott im Himmel begegnen wird, will er ihn drauf ansprechen. Gott, wird er sagen, was sollte diese Zumutung, die du mir da auf den Weg gegeben hast.
19.02.2016
Auf seinem Gazelle-Fahrrad kreuzte der Holländer durch die Stadt
Nachruf auf Antoine Verbij (Geb. 1951)
Er war Wahlberliner, und das zählt doch sowieso viel mehr als der Geburtsort. In einem katholischen Dorf Boskoop in Südholland kam er zur Welt, sein Vater war Azaleenzüchter. Zuerst wollte er Papst werden. Stattdessen wurde er zu einem der wichtigsten marxistischen Publizisten der Niederlande.
19.02.2016
Es waren so viele schon vor ihnen gegangen. Bereut haben es nur wenige
Nachruf auf Anatoli Lambrech (Geb. 1942)
Als Anatoli zur Welt kam, waren die deutschen Truppen noch im Siegesrausch. Im Februar 1943, zu seinem ersten Geburtstag, verloren sie die Schlacht um Stalingrad - die Wende des Krieges.
19.02.2016
Cool eben. Muss man können. Die meisten schauspielern nur
Nachruf auf Roman Beckers (Geb. 1976)
Lemmy Kilmister cool, Tom Waits uncool. Sean Connery cool, Pierce Brosnan uncool. Elvis? Der Coolste überhaupt. Aber - was ist cool? Wer je einen Freund hatte, der hinter der Theke stand, weiß: Barmänner sind cool. Und wer je in einer guten Bar war, hatte auch einen Barmann zum Freund. Es sei denn, er machte selbst einen auf King - was nicht sonderlich cool ist. Warum sich darüber Gedanken machen? Weil jeder von uns cool sein will: unangreifbar. Über den Dingen. Lässig. Mit Durchblick. Cool eben.