Nachrufe
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14.09.2012
Es gibt ein Leben vor dem Tod, daran glaubte er ganz fest
Nachruf auf Uli Senft (Geb. 1940)
Das Kult-Möbel der Siebziger? Das Hochbett! Keine Altbauwohnung in Berlin ohne alternatives Schlafgestell, zumindest wenn es nach Uli gegangen wäre. Heute hätte man Angst, die Kinder fallen runter, der Apo-Opi schafft es nicht mehr hoch.
14.09.2012
Alles in Bewegung, radikal, mutig, verschleißend
Nachruf auf Robin Bah (Geb. 1947)
Sie sitzen im Juni zusammen. Es ist Robin Annes 65. Geburtstag. Ihr Lieblingscafé, „Zitrone“ in Kreuzberg. Nur sie fehlt. Ihr Foto steht auf dem Tisch. Und die Erinnerung ist da, an ihr Lachen, ihre Fantasie, ihre schillernde Persönlichkeit. Ein Leben wie ein Regenbogen, hatte der Pastor auf der Trauerfeier gesagt. Aber dem Freundeskreis war das nicht Abschied genug. Sie feiern ihren Geburtstag, Monate nachdem sie gestorben ist.
14.09.2012
Und er? Hatte er den Weg gefunden, nach dem er suchte?
Nachruf auf Anagarika Kassapa (Geb. 1928)
Mein Weg begann nach dem Zweiten Weltkrieg. Unsere Städte waren zerbombt, wir hausten in Kellerlöchern und Behelfsheimen. Alle Ideale waren im Winde zerstoben, die totale Niederlage mit Millionen Toten – wir waren von einem lähmenden Schock ergriffen. Es war die Stunde null.“...
07.09.2012
Also immer neu anfangen. Das leere Blatt vornehmen
Nachruf auf Eleonore Fuchs-Heidelberg (Geb. 1946)
Papier ist nicht geduldig. Es will immer wieder beschrieben werden. Wieder und wieder. Ausradiert, beschrieben, neu beschrieben. Die Weltgeschichte umgeschrieben, die eigene Geschichte neu geschrieben, neu erfunden, zum besseren Ende gebracht. Ein unmögliches Unterfangen. Erst recht, wenn man es nicht wagt.
07.09.2012
Er saß auf einem abgeschabten Sessel, wo der Patient ihn nicht sah
Nachruf auf Alexander Malkowsky (Geb. 1940)
Ich habe meinen Schlüssel verloren“, sagt Katharina.
31.08.2012
Eines Morgens trat sie auf den Balkon der Pension
Nachruf auf Gertraude Stuck (Geb. 1937)
Ein junger Mann sitzt auf einer Bank unter einer Linde und schaut freundlich umher. Eine junge Frau kommt den Weg entlang und bemerkt ihn aus einiger Entfernung. Sie bleibt hinter einem Strauch stehen und kann ihren Blick von seinen großen hellen Augen und seinen dunklen weichen Locken nicht abwenden. Plötzlich verfinstert sich das Gesicht des jungen Mannes, er schreit Unverständliches, rollt mit den Augen und reißt an seinem Haar. Die junge Frau läuft den Weg, so schnell sie kann, zurück.
31.08.2012
Dass seine Heimat in einem anderen Land liegt? Inakzeptabel.
Nachruf auf Heinz Friese (Geb. 1930)
Dresden im Mai 2003, auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche stehen viele tausend Menschen. Schweigend steht Heinz Friese da, etwa 50 Meter von der Kirche entfernt. Jahrelang hat er gespendet, damit die Kirche wieder aufgebaut werden kann. Er ist aus Berlin angereist, um dabei zu sein, wenn das Bauwerk vollendet wird. Sieben neue Glocken sollen an diesem Tag eingeweiht werden.
31.08.2012
Mit wenigen Griffen rückte er das schiefe Sprachbild gerade
Nachruf auf Jan-Jürgen Jenrich (Geb. 1959)
Mit ernstem Blick und ganz in Schwarz gekleidet legt die junge Schriftstellerin das letzte Manuskriptblatt beiseite. Eine knappe halbe Stunde hat sie aus ihrem neuen Roman gelesen, und jetzt spricht die Jury. Jedes Jahr im Sommer versammelt sich ein Literaturgericht im österreichischen Klagenfurt, um die Preise des Bachmann- Wettbewerbs für deutschsprachige Literatur zu vergeben. Die Juroren gelten als unverblümt und nicht gerade zimperlich.
24.08.2012
Seine erste Bleibe in Berlin war der Hygienecontainer am Bahnhof Zoo
Nachruf auf Klaus Schottenheim (Geb. 1972)
Sein Foto steht neben der Jesusfigur. Die Kapuze hat er darauf ins Gesicht gezogen, die Glühweinflasche erhoben wie für ein letztes Prost. Davor sitzen elf seiner Freunde, sie stoßen nicht an, sondern haben die Hände gefaltet, über ihren gesenkten Köpfen fährt rumpelnd eine S-Bahn ein. Die Zeit, in denen hier im Bahnhof Zoo die einen in Fernzügen verschwanden und die anderen weinend zurückblieben, sind vorbei, zumindest oben auf den Bahnsteigen, die Tränen fallen heute ein Stockwerk tiefer in der...
24.08.2012
Er beschloss, die Zumutung Leben noch einmal auf sich zu nehmen
Nachruf auf Horst Schildhauer (Geb. 1946)
Der Witwer sitzt an einem Café- Tisch in Steglitz, froh, von seinem Liebsten berichten zu können, dessen Leben alles andere war als langweilig und vorhersagbar.