Nachrufe
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12.10.2012
Natürlich gab es längst den nächsten Plan
Nachruf auf Hans-Gerd Staschewski (Geb. 1955)
Nur Träumer werden die Sterne erreichen – daran glaubte er fest. Was ihn von vielen anderen Träumern unterschied, war die unendliche Energie, mit der er seine Träume in die Tat umsetzte. Und Träume gab es viele.
12.10.2012
Nichts wovor er Angst hatte, ausgenommen Vereinnahmung
Nachruf auf Manfred Rosenstrauch (Geb. 1931)
Ein wildes, freies Leben wollte er führen, die Songtexte von Frank Sinatra und Nat King Cole waren ein Versprechen. Fly me to the moon. Entsprechend sein Auftreten, bis zum Schluss: immer gepflegt und charmant, umgeben vom Duft des Pino Silvestre Parfums, kreiert im Jahr 1955. Die Frauen liebte er, konnte nicht ohne sie leben und schon gar nicht mit einer einzigen. Something in your eyes was so inviting.
12.10.2012
Mit Fremdsprachen hat er es genauso wenig wie mit Hochdeutsch
Nachruf auf Gerd Schneider (Geb. 1930)
In Kreuzberg ist Gerd aufgewachsen, hat eine Familie gegründet, gewohnt und gearbeitet. Um ihn herum veränderte sich alles, neue Menschen kamen, alte gingen, er blieb da. Einer jener konservativen Ur-Kreuzberger, die mit dem Rest der Welt wenig zu schaffen haben, ihre eigenen unspektakulären Bahnen ziehen, scheinbar unberührt von den Zeitläuften.
05.10.2012
Er ahnte, dass es besser war, nicht nachzufragen
Nachruf auf Johann Krauske (Geb. 1930)
Ruth! Ruth!“ Johann steht vor einer verschlossenen Tür und ruft ihren Namen, immer wieder. Die Tür bleibt verschlossen. Er sieht sich um. Kein Mensch ist in der Straße, keine Gardine bewegt sich. Er ruft weiter, immer lauter. Bis er aufwacht. Jahre und Jahrzehnte träumte Johann diesen Traum.
05.10.2012
Sie wollte entwerfen, sie wollte bauen, das war ihr Leben
Nachruf auf Ruth Golan (Geb. 1944)
Ein Architekt entwirft nicht nur Häuser“, schreibt Brigitte Reimann in ihrem Roman „Franziska Linkerhand“, „sondern Beziehungen, die Kontakte ihrer Bewohner, eine gesellschaftliche Ordnung.“ Das klingt in Zeiten der Renditemaximierung utopisch, war aber einmal gar nicht so ferne Zukunftsmusik.
05.10.2012
Was gewesen war, war ihm so egal wie das, was werden sollte
Nachruf auf Werner Kasprzyk (Geb. 1933)
Werner lebte schon seit Jahren in der Wohngemeinschaft, zusammen mit Renate, Horst und Ilse. Jeden Tag um elf kam ein Betreuer, manchmal auch zwei. Vielleicht hatte Werner von irgendwem erfahren, dass andere Leute alleine wohnen, und dass bei ihnen keiner vorbeikommt, der ihnen beim Leben hilft. Vielleicht war es ihm bei „Sturm der Liebe“ aufgefallen, der Fernsehserie, die er so gern sah: Die Leute dort lebten irgendwie anders. Also fragte er einen der Betreuer: „Warum is’ dit so?“...
28.09.2012
Es ging ihr um die Leute, nicht um die Politik
Nachruf auf Meggie Jahn (Geb. 1959)
Israel ist meine große Liebe“, sagte sie zu ihm. „Und ich?“, fragte er zurück. Natürlich wusste er, wie sie es meinte. Ihre Liebe zu Israel hatte mit ihm ja nichts zu tun. Beide Lieben konnten sehr gut nebeneinander existieren.
28.09.2012
Er war zum Siegen verdammt. Beim Schach gelang das oft, im Leben nicht
Nachruf auf Michael Keit (Geb. 1936)
Wenn man zu viel über das Leben nachdenkt, vergisst man zu leben. Da sind sie sich einig in den wenigen verbliebenen Eckkneipen von Kreuzberg. „Schach-Micha“ gehörte hier Jahrzehnte lang zum Inventar. Nicht die Bierbestellung war seine erste Amtshandlung, sondern das Aufstellen der Figuren. Dann wartete er auf Gegner. Studenten, Arbeiter, Lebenskünstler, ganz egal, Hauptsache er konnte spielen. Und er konnte gewinnen, sonst wurde er fuchsteufelswild. Eben hieß seine Bestellung noch „Mein goldenes...
21.09.2012
"Manchmal sahen wir die Schatten unter ihren Augen"
Nachruf auf Carola Gold (Geb. 1960)
Carola sitzt mit einem Kollegen nah an den Erkerfenstern ihres mit Ordnern und Papieren angefüllten Büros im vierten Stock des schmalen Hauses in der Friedrichstraße 231 und spricht. Ihre vollen, lockigen Haare werden von einem Band zusammengehalten, ihr Blick ist konzentriert. Sie prüft noch einmal die Gästeliste für den „Kongress Armut und Gesundheit“, geht die Vortragsthemen durch, und als sie ihren Kollegen fragt, ob auch wirklich alle Einladungen abgeschickt wurden, hebt sie für einen Moment...
21.09.2012
Er war der Erste von seinem Institut, der seinen Hut nahm
Nachruf auf Arno Hochmuth (Geb. 1930)
Als sich der rundliche Mann an der Humboldt- Universität meldete, Sektion Ästhetik und Kunstwissenschaften, stieß er auf große Skepsis. Er war 42 Jahre alt, trug ein Parteiabzeichen am Revers und einen zweifachen Professorentitel vor dem Namen. Professor für Kulturwissenschaften und Ästhetik. So einen gab es hier noch nie. Man war entweder für das eine oder das andere zuständig. Und man hatte sich für das eine oder andere habilitiert. Er nicht.