Trauerhilfe Live-Chat

Kai Sender
Sozialarbeiter
Bremen
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Nachrufe

Es wurden 1104 Nachrufe gefunden

05.08.2016

Im Jahr 1982 besuchte ein junger linker Journalist einen abgeklärten Kapitalisten mittleren Alters. Beide hatten ihre Meinungen voneinander, beide spielten ihre Rollen und bestätigten die Meinungen vorbildlich. Der Taz-Journalist, Michael Sontheimer, schrieb ein Buch über die Potsdamer Straße und interviewte Karsten Klingbeil, Abrissverantwortlicher des legendären Sportpalastes und Erbauer des Sozialpalastes an derselben Stelle. Das war ein betongrauer Klotz mit 500 Sozialwohnungen und schwarzen...

29.07.2016

Da lag der Spaß im Ernst

Nachruf auf Peter Plachy (Geb. 1941)
Einmal im Jahr tagte seine Whiskyrunde. Ein Freund lud zu sich nach Hause ein, anfangs nach Flensburg, dann nach Bad Neuenahr, und Peter Plachy setzte alles dran, den Termin nicht zu verpassen, er buchte ein Hotel, informierte sich über die Whiskysorten, die verkostet werden sollten, so er sie nicht ohnehin schon kannte, im Jahr 2009 waren es die folgenden: Chivas Regal, Bladnoch, Pride of the Lowlands, Glenfarclas, Pride of Strathspey, Laphroaig, Pride of Islay, zwei davon zehn, der Rest zwölf Jahre...

29.07.2016

Man ist ja nicht mehr Mitte 80!“, sagte Franz Witecki, als er zum letzten Mal ins Krankenhaus kam. Er war 97, er war fast taub, und die Stimme war brüchig geworden, bis vor Kurzem konnte er noch weite Strecken gehen, doch nun wollten auch die Beine nicht mehr. In kurzer Zeit hatte er stark an Gewicht verloren. Er wollte keine Untersuchungen, keine anstrengenden Therapien mehr über sich ergehen lassen. Schmerzfrei auf das Ende zugehen, so die Verabredung mit den Ärzten. Doch das war schwerer als gedacht.

29.07.2016

Fräulein Krieg. Aha.“ Der Professor schiebt die vor ihm liegenden Papiere auseinander, hebt die Brauen, als hätte er eine heikle Information entdeckt, schiebt die Papiere wieder zusammen. „Sie wollen also mit dem DAAD nach China?“ Er ist unter den FU-Studenten für seine hinterhältigen Prüfungsfragen bekannt. „Na, dann fangen wir mal ganz simpel an: Welche chinesische Literatur haben Sie denn bis jetzt gelesen?“ Er weiß, dass man Liaozhai Zhiyi, „Seltsame Geschichten aus einem Gelehrtenzimmer“, nicht...

22.07.2016

Vor der Tür steht ein fremder Mann. „Kommen Sie bitte herein“, sagt die Frau freundlich. Der Fremde tritt in den Flur. „Gehen Sie nur durch ins Wohnzimmer, ich habe uns Kaffee gekocht.“ Sie bringt die Kanne und Milch und Zucker, schenkt dem Mann ein, nimmt ihm gegenüber am Couchtisch Platz. Der Mann rührt in seiner Tasse, hebt unmerklich den Kopf, entdeckt auf der Kommode ein gerahmtes Foto, auf dem ein Junge und ein Mädchen in einer Hollywoodschaukel sitzen. „Sie haben zwei Enkelkinder und einen...

22.07.2016

Großgiesmannsdorf, Kreis Neisse, Oberschlesien. Eberhard, sechs Jahre alt, hockt auf der Fensterbank. Mit seinen braunen Kinderaugen verfolgt er den Briefträger, sieht, wie er im gegenüberliegenden Haus Post abliefert. Wohin würde er jetzt seine Schritte lenken? Manchmal geschah das Wunder und die Amtsperson öffnete die quietschende Hoftür, schritt ganz dicht am Fenster vorbei, pochte an die Haustür. Das Glück war vollkommen, wenn er einen Brief vom Vater, in Russland Sanitätsunteroffizier, brachte,...

15.07.2016

„Bleibe im Lande und wehre dich täglich“

Nachruf auf Dietmar Meckel (Geb. 1945)
Freunde wie Unbekannte begrüßte Dietmar Meckel gerne mit „Hosianna!“ Gut möglich, dass er das auch getan hat, als er an einem Donnerstag vor 40 Jahren im Redaktionsgebäude des „Neuen Deutschland“ eintraf. „Hosianna!“ Im Bundesarchiv Lichterfelde findet sich über seine Intervention beim „Zentralorgan der Sozialistischen Einheitspartei“ eine Mitteilung an die „Arbeitsgruppe Kirchenfragen beim ZK der SED“. Am 2. September 1976 sei der Pfarrer Dietmar Meckel aus Zeitz erschienen, „um seinen Protest gegen...

15.07.2016

Habibi“, Freund, so begrüßte er freudig jeden, der an seinen Falafelstand auf dem Charlottenburger Karl-August-Platz trat. „Habibi“ wurde auch er genannt. Wer sein Lächeln sah, lächelte unwillkürlich zurück. Kinder kamen besonders gern. Für sie gab es die Falafel nicht selten umsonst und Kleingeld obendrauf. „Man muss etwas zurückgeben, wenn es einem gut geht.“ Seine Freundlichkeit war ansteckend, und jeder spürte, es war eine besondere Aura um ihn. Es hieß, er könne heilen allein durch Handauflegen.

08.07.2016

Andere begeben sich ins Leben. Sie treibt

Nachruf auf Ines Hagemeier (Geb. 1966)
Ihre Kreuzberger Lieblingskneipe am Heinrichplatz wird im Kiezjargon „Goldener Schuss“ oder „Geisterbahn“ genannt, schicke Kaffeevariationen gibt es hier nicht. Man zeigt der Schweinewelt draußen den Stinkefinger, vereint in Rausch und Realitätsflucht. Diese Welt hatte sie nach dem Besuch beim Therapeuten entdeckt. Hier nannte man sie „Tanzmaus“, weil sie wie aufgezogen irrlichterte, nie ruhig stand, im Körper einen Cocktail aus Psychopharmaka und Alk. Hier fragte kaum einer mal, woher ihre blauen...

08.07.2016

„Der wird dir nicht wehtun. Der nicht“

Nachruf auf Ingo Pethke (Geb. 1961)
Ganz klein war er, nicht nur, weil sie so weit oben, im sechsten Stock am Fenster stand, als sie ihn zum ersten Mal sah und er da unten aus dem Auto stieg. Er war überhaupt ganz klein, einssechzig ungefähr, und schmal dazu. Dafür strahlten seine Augen. Bis zu ihr nach oben strahlten sie, an seine Augen erinnert sie sich am liebsten. „Ganz liebe Augen waren das. Das hab ich gleich gesehen.“...